PPWR: Verpackungswirtschaft vor der Transformation

Die PPWR kommt pünktlich zum 12. August. Mit dem Inkrafttreten stehen Unternehmen vor einer grundlegenden Neuorganisation ihrer Prozesse – bei Verpackungen, aber auch beim Umgang mit Daten und Lieferketten.
Die PPWR soll Kreislaufwirtschaft, Datenmanagement und Produktverantwortung zusammenführen. (Bild: KI-generiert)

Mit dem Inkrafttreten der europäischen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) beginnt für die Verpackungswirtschaft eine neue Ära. Auf der Future Resources 2026 in Köln machte Franziska Safak, Generalsekretärin der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR), deutlich, dass Unternehmen damit vor einer Neuorganisation ihrer Prozesse stehen – nicht nur bei Verpackungen selbst, sondern insbesondere beim Umgang mit Daten, Informationen und Lieferketten.

Für Franziska Safak ist die wichtigste Botschaft eindeutig. „Wir können endlich verbindlich sagen: Die PPWR und das VerpackDG kommen zum 12. August.“ In den letzten Monaten sei dem eine intensive politische Arbeit vorangegangen. „Wir haben wirklich Grund zum Feiern, denn Deutschland ist das einzige Land, das zum 12. August mit Start der PPWR ein darauf aufbauendes nationales Recht etabliert hat.“

Nach Auffassung der ZSVR wird die neue Rechtslage weit mehr verändern als einzelne technische Anforderungen. Sie führt zu einer neuen Logik der Produktverantwortung, in der Verpackungen nicht mehr isoliert betrachtet werden können, sondern als Bestandteil komplexer Material-, Daten- und Logistiksysteme verstanden werden müssen.

Die Konformitätserklärung wird zum Schlüsselinstrument

Mit der PPWR werden künftig deutlich umfangreichere Datensätze benötigt als bisher. Unternehmen müssen Informationen standardisiert erfassen, dokumentieren und entlang der Lieferkette verfügbar machen. „Die Konformitätserklärung wird künftig ganz klar das zentrale Instrument zum Nachweis rechtskonformer Verpackungen sein.“

Besonders deutlich werde dies bei der Entwicklung neuer Verpackungen. Bislang wurden Entscheidungen häufig von Marketinganforderungen, Produktschutz und Kosten geprägt. Nach den Vorgaben der PPWR müssen jedoch andere Kriterien stärker in den Mittelpunkt rücken. „Künftig muss schon bei der Entwicklung der Verpackungskonzeption mitbedacht werden, wie sich die Verpackungen verhalten – und zwar über den gesamten Lebenszyklus hinweg“, so Safak. Damit wird die Verpackung von Beginn an als Kreislaufprodukt betrachtet. Unternehmen müssen überlegen, wie Materialien mehrfach genutzt, wiederverwendet oder hochwertig recycelt werden können. Und Themen wie Mehrwegfähigkeit, Wiederverwendung und die Verlängerung von Lebenszyklen rücken in den Mittelpunkt strategischer Entscheidungen.

Recyclingfähigkeit rückt in den Fokus

Ein Kernpunkt der PPWR betrifft die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Franziska Safak: „In Zukunft wird die Verantwortung entlang der Lieferkette nach vorne zum Erzeuger geschoben. Er ist verantwortlich dafür, dass am Ende Recycling stattfinden kann, dass die dualen Systeme Quoten erfüllen können und dass die Sortieranlagen in der Lage sind, die richtigen Stoffe auszusortieren.“ Die Konsequenzen sind erheblich: Materialauswahl, Farben, Verbundstrukturen oder Etiketten können künftig darüber entscheiden, ob eine Verpackung als konform gilt oder nicht. Unternehmen müssen deshalb deutlich früher als bisher ökologische Kriterien in ihre Entwicklungsprozesse integrieren.

VerpackDG kommt pünktlich zur PPWR: ZSVR-Generalsekretärin Franziska Safak

Daten werden zur entscheidenden Ressource

Die Umsetzung der PPWR wird ohne funktionierende Informationsflüsse nicht möglich sein. Die ZSVR sieht daher Daten als einen zentralen Erfolgsfaktor. „Bereits in der ersten Phase entstehen große Mengen an Informationen über Materialien, Verpackungskategorien und technische Nachweise. Lieferanten, Logistikdienstleister und Hersteller müssen diese Daten zusammentragen und austauschen.“ Die Herausforderung liege dabei nicht nur in der Menge der Daten, sondern auch in deren Qualität. Für die Umsetzung der Konformitätserklärung seien drei Voraussetzungen entscheidend: „Die Daten müssen vollständig, korrekt und natürlich eindeutig sein.“

Markeninhaber rücken stärker in die Verantwortung

Ein Diskussionspunkt betrifft die Rolle von Markeninhabern. Hier habe die PPWR bewusst festgelegt, dass Markeninhaber unter bestimmten Voraussetzungen selbst Erzeugerpflichten übernehmen. Die Begründung liegt auf der Hand: Markenunternehmen verfügen häufig über die entscheidende Gestaltungsmacht. Sie bestimmen Design, Materialien und Produktspezifikationen und können damit maßgeblich beeinflussen, ob Verpackungen recyclingfähig sind oder nicht.

Besonders relevant wird dies mit Blick auf die geplante Ökomodulierung. Schlechter recyclingfähige Verpackungen werden künftig wirtschaftlich anders behandelt werden als gut recyclingfähige Lösungen. Dadurch entstehen zusätzliche finanzielle Anreize für nachhaltiges Verpackungsdesign.

Gleichzeitig entstehen neue Informationsangebote für Verbraucher. Angaben zum Rezyklatanteil oder zur Herkunft von Materialien werden zunehmend zu Kaufkriterien. Safak erwartet, dass diese Informationen künftig einen deutlich stärkeren Einfluss auf Kaufentscheidungen haben werden.

Lieferketten müssen enger zusammenarbeiten

Die neuen Anforderungen machen deutlich, dass Verpackungs-Compliance künftig nicht mehr isoliert innerhalb einzelner Unternehmen organisiert werden kann. Vielmehr entsteht eine neue Form der Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette. Unternehmen müssten neue Partnerschaften eingehen und Vereinbarungen über den Datenaustausch treffen. Nur so könne sichergestellt werden, dass alle erforderlichen Informationen verfügbar sind.

Gleichzeitig entstehen neue Zielkonflikte. Viele Informationen betreffen sensible Rezepturen, Materialzusammensetzungen oder wirtschaftlich relevante Produktionsdaten. Unternehmen stehen deshalb vor der Aufgabe, Transparenz und Datenschutz miteinander in Einklang zu bringen.

Besondere Bedeutung misst Franziska Safak der Verständlichkeit regulatorischer Anforderungen bei. Die Zusammenarbeit zwischen ZSVR und dem Forum Rezyklat bezeichnet sie als wichtigen Schritt, um komplexe technische Vorgaben in praxisnahe Handlungsempfehlungen zu übersetzen.

Compliance wird zum Wettbewerbsvorteil

Trotz aller Herausforderungen sieht Franziska Safak die neuen Anforderungen ausdrücklich als Chance. Die PPWR zwinge Unternehmen dazu, bisher getrennte Bereiche stärker miteinander zu verzahnen. Die eigentliche Transformation betrifft deshalb weniger die Verpackung selbst als die dahinterliegenden Informationsflüsse. „Die größere Aufgabe wird sein, die Informationsflüsse, die zukünftig notwendig sind, entlang der gesamten Wertschöpfungskette neu zu organisieren.“

Wer diese Prozesse frühzeitig etabliert, kann nicht nur regulatorische Risiken minimieren, sondern auch Wettbewerbsvorteile erzielen. Denn transparente Lieferketten, bessere Datenqualität und kreislauffähige Verpackungslösungen werden zunehmend zu Differenzierungsmerkmalen im Markt.