Soapbottle oder wenn das Produkt zur Verpackung wird…

Für die Soapbottle sind verschiedene Größen und Formen möglich. Das Papieretikett wird recycelt. (Bild: Jonna Breitenhuber)
Für die Soapbottle sind verschiedene Größen und Formen möglich. Das Papieretikett wird recycelt. (Bild: Jonna Breitenhuber)

Es sollte komplett auf Kunststoff verzichtet werden und am Ende garantiert kein Müll entstehen: Aber jede Verpackung muss zumindest den Transport des Produkts ermöglichen und seine Haltbarkeit sowie seinen Schutz gewährleisten. Eine Aufgabe, die Jonna Breitenhuber mit ihrer Soapbottle clever und elegant gelöst hat.

Die Nürnberg Messe und bayern design präsentierten anlässlich der FachPack die Sonderschau „Umweltgerechtes Verpacken im Premiumbereich“. Vorgestellt wurde, wie neue Wege und Möglichkeiten von Design in Konzeption und Realisierung unterschiedliche Herangehensweisen hinsichtlich nachhaltiger Verpackungsgestaltung gestatten. Ein Beispiel greifen wir hier auf:

Eine Verpackung aus Seife

Duschgel- oder Shampooflaschen landen nach wenigen Wochen im Müll. Das Ziel bei diesem Projekt war es, eine Verpackung für flüssige Hygieneprodukte bzw. Waschsubstanzen wie Shampoo, Spülung, Duschgel, Spülmittel, Peelings oder Badezusätze mit geringer Umweltbelastung zu kreieren.

Jonna Breitenhuber nimmt dabei das Konzept von verpackungsfreier Kosmetik auf, indem das Produkt selbst zur Verpackung wird. Seife besteht aus natürlichen Rohstoffen und ist biologisch abbaubar. Während der Inhalt der Soapbottle aufgebraucht wird, löst sich die Verpackung selbst langsam auf. Ihre Reste können als (Handwasch-)Seife weiterverwendet oder mit Soda und Natron zu Wasch- oder Putzmitteln verarbeitet werden.

Natürlich lässt eine „Seifenverpackung“ einige Eigenschaften missen, die Konsumenten von Kunststoffverpackungen gewohnt sind. Sie ist nicht unzerbrechlich, sie ist wasserlöslich, beim Gebrauch wird die Oberfläche im Kontakt mit Wasser rutschig.

Diese vermeintlichen Nachteile werden für die Soapbottle als Gestaltungselemente genutzt: Das Konzept spielt mit dem Vorgang des Auflösens, mit der Transformation des Gegenstands und der aus diesen Aspekten entstehenden Individualität.

Die Verwendung ist denkbar einfach. (Bild: Jonna Breitenhuber)

Die Verwendung ist denkbar einfach. (Bild: Jonna Breitenhuber)

Öffnen – Schließen – Kennzeichnen

Die Soapbottle lässt sich öffnen, indem man die mit einer Nut markierte Ecke abtrennt, sodass eine Ausgussöffnung entsteht. Die Flasche kann mit einem Messer aufgeschnitten werden, ist dann aber für die Dauer der Nutzung unverschlossen.

Alternativ kann ein Verschluss genutzt werden, der an das Loch der Soapbottle geclipt wird. Durch das erste Herunterdrücken des Verschlusses wird die Flasche ebenfalls aufgeschnitten, kann aber wieder verschlossen werden. Dieser wiederverwendbare Verschluss wird aus einem 0,5 Millimeter starken Edelstahlblech gestanzt, in Form gepresst und gebogen. Da der Verschluss nur aus Monomaterial besteht, ist das spätere Recycling unproblematisch.

Laut EU-Kosmetik-Richtlinie sind auf Verpackungen bestimmte Angaben unverwischbar, leicht lesbar und deutlich sichtbar vorgeschrieben. Ist dies auf dem Behältnis direkt nicht möglich, müssen sie auf einem an ihm befestigten Zettel, Etikett, Papierstreifen, Anhänger oder Kärtchen aufgeführt werden. Aus diesem Grund wird an der Soapbottle eine schmale Papierbanderole aus Recyclingpapier mit allen Informationen befestigt.

Jonna Breitenhuber, Gründerin der Soapbottle (Bild: Jonna Breitenhuber)

Jonna Breitenhuber, Gründerin der Soapbottle (Bild: Jonna Breitenhuber)

Uns ist die Lösung von Jonna Breitenhuber auf der Sonderschau „Umweltgerechtes Verpacken im Premiumbereich“ aufgefallen, und sie hat uns sofort überzeugt. Wir haben die Verpackungsdesignerin zu weiteren Details ihres Konzepts befragt:

pj: Frau Breitenhuber, warum haben Sie den Fokus gerade auf dieses Thema gelegt?

Jonna Breitenhuber: Während meines Masterstudiums habe ich angefangen, als Verpackungsdesignerin für Kosmetikprodukte zu arbeiten. Dadurch wurde mir erst richtig bewusst, dass es kaum alternative kunststofffreie Packmittel für flüssige Körperpflegeprodukte gibt. Also entschied ich mich, den Fokus meiner Masterarbeit auf diese Problematik zu legen.

pj: Woher stammt die Idee?

Jonna Breitenhuber: In der Lebensmittelbranche gibt es bereits ein paar Beispiele, bei denen das Produkt selbst zur Verpackung wird oder die Hülle sogar komplett benutzt werden kann, wie z. B. die Eiswaffel. Ich habe mich gefragt, ob man die Grundidee auch bei Hygieneprodukten anwenden kann. Das war für mich der Impuls, mit Seife zu experimentieren.

Mit einem Band, das die Flasche durch eine spezielle Fädelung an zwei Stellen hält, kann die Soapbottle sicher in der Dusche aufgehängt werden. (Bild: Jonna Breitenhuber)

Mit einem Band, das die Flasche durch eine spezielle Fädelung an zwei Stellen hält, kann die Soapbottle sicher in der Dusche aufgehängt werden. (Bild: Jonna Breitenhuber)

pj: Wie funktioniert der Materialkreislauf?

Jonna Breitenhuber: Bei dem Konzept Soapbottle kann die aus Seife bestehende Verpackung komplett benutzt und im Laufe der Zeit „weggewaschen“ werden. Feste Seife ist ein Alkalisalz, das aus Öl (bzw. Fett) und Natronlauge relativ einfach hergestellt wird. Sie ist biologisch gut abbaubar und im Klärwerk bereits nach drei Tagen zu 99 Prozent abgebaut.

pj:  Wie ist die aktuelle Situation hinsichtlich der „Marktreife“?

Jonna Breitenhuber: Bis jetzt ist Soapbottle noch ein Konzept. Ich habe visualisiert, wie eine Seifenverpackung aussehen und wie sie benutzt werden könnte. Um sie wirklich auf den Markt zu bringen, müssen noch einige chemische und technische Fragen bezüglich der Materialzusammensetzung sowie der seriellen Fertigung gelöst werden.

Die Form wird aus Silikon hergestellt. Darin wird die Soapbottle in verschiedenen Farbschichten gegossen. Im Gebrauch verändern sich die Flasche und ihre Farben: Es zeigt sich die Ästhetik der Vergänglichkeit. (Bild: Jonna Breitenhuber)

Die Form wird aus Silikon hergestellt. Darin wird die Soapbottle in verschiedenen Farbschichten gegossen. Im Gebrauch verändern sich die Flasche und ihre Farben: Es zeigt sich die Ästhetik der Vergänglichkeit. (Bild: Jonna Breitenhuber)

pj: Welche Partner sind mit im Boot?

Jonna Breitenhuber: Im Moment bin ich noch auf der Suche nach einer Seifenmanufaktur, die sich dieses „Experiment“ zutraut. Ich hatte auch schon einige Gespräche mit potenziellen Herstellern und verschiedenen Unternehmen, die an einer Kooperation interessiert sind. Bisher habe ich mich aber noch nicht festgelegt.

pj: Gibt es Interessenten aus der Anwendungspraxis beziehungsweise bereits konkrete Projekte?

Jonna Breitenhuber: Tatsächlich bekomme ich viele Anfragen von Privatpersonen, die Soapbottle gerne kaufen oder ausprobieren möchten. Es haben sich auch schon einige Händler gemeldet, die daran interessiert wären, sie in ihrer Produktpalette aufzunehmen.

pj: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung!

Jonna Breitenhuber ist Jahrgang 1992, stammt aus Neuburg an der Donau und war von 2016 bis 2018 Studentin der größten Kunstakademie Europas, der Universität der Künste, Berlin. Sie schloss vor einem Jahr ihre Ausbildung als Master of Arts ab. Jonna fühlt sich bereits seit den Anfängen ihres Produktdesignstudiums der Umwelt verpflichtet. So entwickelte sie im Rahmen ihrer Masterarbeit eine Verpackung für flüssige Hygieneartikel, die selbst komplett aus Seife besteht, also auf eine (Kunststoff-)Verpackung komplett verzichtet.

www.projectsoapbottle.com