Sind Verpackungen wirklich so schlimm wie ihr Ruf?

14. Deutscher Verpackungskongress
Bereits zum 14. Mal richtet das dvi den Deutschen Verpackungskongress aus. (Bild: dvi/André Wagenzik)

Wie ist das Image der Verpackung noch zu retten? Damit werden sich die Teilnehmer des 14. Deutschen Verpackungskongresses auseinandersetzen. Wir haben die Organisatoren um ihre Einschätzung gebeten.

Image der Verpackung – zwischen Ruf und Wirklichkeit“ ist das Motto des 14. Deutschen Verpackungskongresses. Das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) lädt Führungskräfte aus allen Bereichen der Packaging-Wertschöpfungskette dazu für Donnerstag und Freitag, 21. und 22. März 2019, nach Berlin ein.

Der zweitägige Kongress wird zum ersten Mal in der Landesvertretung von Baden-Württemberg in Berlin ausgerichtet. Er richtet sich an Geschäftsleitungen, Unternehmensführungen und Verantwortliche aus Industrie, Handel und von Markenartiklern. Alle Gäste erwartet ein Programm aus Fachvorträgen, Workshops und Exkursionen.

Auditorium beim Deutschen Verpackungskongress

Auch dieses Jahr wird der Verpackungskongress wieder eine intensive Arbeitsatmosphäre bieten. Zum ersten Mal wird die Landesvertretung von Baden-Württemberg in Berlin Tagungsort werden. (Bild: dvi/André Wagenzik)

Alle aktuellen Fragen der Verpackungswirtschaft sollen diskutiert werden. Dazu gehört natürlich das neue Verpackungsgesetz. Gefragt wird aber auch nach nationalen, europäischen und globalen Initiativen gegen das immer größer werdende Problem des Plastikmülls in den Weltmeeren.

Öffentliche Diskussion bestimmt das Kongressthema

„Unser Kongressthema 2019 hat sich angesichts der massiven Diskussion über Kunststoff und der zentralen Bedeutung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft quasi von selbst aufgestellt“, sagt dvi-Geschäftsführerin Kim Cheng zum Tagungsthema.

Auf der dvi-Homepage finden Sie das detaillierte Tagungsprogramm. Dort erfahren Sie auch, ob noch Anmeldungen möglich sind. Einige Workshops waren bereits frühzeitig ausgebucht.

Passend dazu wurde die Liste der Rednerinnen und Redner gestaltet. Unter anderem werden Eduardo Gordillo, CEO und Gründer des mehrfach prämierten Start-ups Bio-Lutions, Thomas Reiner, CEO von Berndt+Partner und Vorstandsvorsitzender des dvi, Konstantin Bark, Media-Relations-Manager von Unilever und der Wirtschaftsjournalist Patrick Bernau erwartet. Angekündigt wird auch Gunda Rachut, Vorstand der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister. Sie mahnte in einem Interview im Vorfeld des Kongresses: „Auch wenn Verpackungen vielleicht nicht unser größtes Umweltproblem darstellen, sie sind doch ein Symbol für eine ressourcenverschwendende Wirtschaftsweise, die wir uns schon länger nicht mehr leisten können.“

Am zweiten Kongresstag gibt es Workshops, unter anderem zur Recyclingfähigkeit von Verpackungen und zur Frage, ob und wie Verpackungen das Image eines Produkts verbessern helfen können. Alternativ können Exkursionen gebucht werden.

Interview: Die Verpackung hat eine Leuchtturmfunktion

Wie wirkt sich die Diskussion um die Vermüllung der Weltmeere mit Plastikabfällen auf das Image von Verpackungen aus? Das packaging journal bat dvi-Geschäftsführerin Kim Cheng um ihre Einschätzung.

pj: Leidet das Image der Verpackungen unter der Diskussion um die Plastikabfälle im Meer?

Kim Cheng: Ja. Ganz offensichtlich. Die Verpackung war zwar schon vorher oft das Schmuddelkind, das nur „aus der Mülltonne“ heraus betrachtet wurde, aber mit Ocean Littering kommt eine neue Qualität, auch befeuert durch starke Bilder und die intensive mediale Vernetzung der Öffentlichkeit.
Entscheidend ist aber etwas anderes: Es leidet nicht vordringlich ein Image, es leiden vor allem Fauna und Flora unseres globalen Ökosystems, auch wenn klar ist, dass hinter Ocean Littering natürlich viel mehr steckt als nur Kunststoffverpackungen, auf die sich die öffentliche Diskussion fast vollständig konzentriert.

Kim Cheng, Geschäftsführerin beim Deutschen Verpackungsinstitut. (Bild: dvi)

Kim Cheng, Geschäftsführerin beim Deutschen Verpackungsinstitut. (Bild: dvi)

Dass die Verpackung eine Leuchtturmfunktion hat und von Verbraucherinnen und Öffentlichkeit besonders stark gesehen und beachtet wird, kann uns allerdings nicht wirklich überraschen. Das kennen wir seit den 1990er-Jahren.

Wie damals sollten wir diese Rolle ins Positive drehen. Pionier sein. Vorangehen. Die Verpackung hat den Anstoß gegeben für die Einführung von Produktverantwortung und Kreislaufwirtschaft. Wir können auch jetzt wieder führen, unsere Innovationskraft zeigen und damit auch unseren Teil der Verantwortung übernehmen.

pj: Können es sich Verpackungshersteller noch leisten, schlecht recycelbare Verpackungen anzubieten?

Kim Cheng: Wenn Sie fragen, ob es sich die Verpackungshersteller „vom Image her“ leisten können, dann ist die Antwort: nicht wirklich. Der öffentliche Blick konzentriert sich zwar aktuell noch auf Kunststoff und Ocean Littering, aber es werden zunehmend alle Materialien und Prozesse auf Nachhaltigkeit hin hinterfragt. Und hier ist Recyclingfähigkeit das zentrale Argument für die (auch) politisch gewollte Kreislaufwirtschaft.

Politischer Wille, Verbraucherwünsche und entsprechende Forderungen des Handels und der Markenhersteller werden dafür sorgen, dass es sich Verpackungshersteller auch wirtschaftlich „nicht mehr leisten können“, schlecht recycelbare Produkte anzubieten. Damit auf dem Markt zu bestehen, dürfte zunehmend schwierig werden.