„Coffee to go“ im FairCup: Eine Mehrwegbecheridee macht Schule

FairCups gibt es in vielen Farben und Größen. (Bild: FairCup)
FairCups gibt es in vielen Farben und Größen. (Bild: FairCup)

Wie wäre es, wenn der Kaffee für unterwegs in einem Mehrwegbecher ausgeschenkt würde, der in jedem Supermarkt am Leergutautomaten zurückgegeben werden kann? Aus dieser einfachen Idee entwickelten Göttinger Schülerinnen und Schüler ein marktreifes Produkt. Mittlerweile gibt es den „FairCup“ in ganz Deutschland.

Einwegkaffeebecher zum Mitnehmen – oft bestehen sie aus Pappe und einer Barriereschicht aus Kunststoff – werden nur etwa 15 Minuten genutzt. 2,8 Milliarden der schwer recycelbaren Produkte werden hierzulande laut Bundesumweltministerium pro Jahr verkauft und bald darauf achtlos weggeworfen.

Als Alternative für den Unterwegskaffee bieten sich Mehrwegbecher an. In Deutschland gibt es zahlreiche, meist auf einzelne Kommunen oder Regionen beschränkte Angebote. Im badischen Freiburg nutzen Fans des mobilen Heißgetränkegenusses beispielsweise den „FreiburgCup“. In der ganzen Stadt gibt es Läden, in denen er zurückgeben werden kann.

Schüler dachten Freiburger Idee weiter

Der Freiburg-Cup diente Absolvierenden des Abiturjahrgangs 2017 der Berufsbildenden Schulen II aus Göttingen als Anlass für die Frage: „Wie wäre es, wenn Mehrwegkaffeebecher überall zurückgegeben werden könnten, egal, wo sie gekauft wurden?“ Die Schüler dachten an eine landesweite Infrastruktur von Rücknahmeautomaten, wie es sie für PET-Flaschen bereits gibt.

Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Sibylle Meyer starteten die jungen Menschen ein Projekt im Bereich „Projektmanagement“. Dessen Ergebnis ist der „FairCup“, ein stabiler Kunststoffbecher aus hochwertigem, für Medizinprodukte und Lebensmittel geeigneten Polypropylen mit zehn Prozent Rezyklatanteil samt Deckel aus demselben Material. Es gibt ihn in vier verschiedenen Größen von 0,2 bis 0,5 Litern und neun verschiedenen Farben. Hergestellt wird er in der Region in Nörten-Hardenberg sowie im thüringischen Seebach. Schnell fanden sich örtliche Geschäfte, die den FairCup anboten.

Sybille Meyer (l.) und ihr Team arbeiten an der weiteren Verbreitung der FairCup-Idee. (Bild: FairCup)

Sybille Meyer (l.) und ihr Team arbeiten an der weiteren Verbreitung der FairCup-Idee. (Bild: FairCup)

Die Idee war so erfolgreich, dass Sibylle Meyer schließlich die FairCup UG gründete, deren Geschäftsführerin sie nun ist. Das Unternehmen kümmert sich um den Vertrieb des FairCups und den Betrieb der Rücknahmeinfrastruktur. Dazu vertraut Sibylle Meyer auf ein bis zu sechsköpfiges Team aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir haben in jeder Stadt Partner, die mit uns arbeiten und Funktionen übernehmen“, erläutert sie. Auf diese Weise gibt es den besonderen Mehrwegbecher mittlerweile in ganz Deutschland. Oft sind es Bäckereiketten, die die Becher gegen eine Pfandgebühr ausgeben und auch wieder zurücknehmen und reinigen. In Hameln, wo der FairCup Anfang Mai vorgestellt wurde, kostet beispielsweise der Pfand für den Becher einen Euro und für den Deckel 50 Cent.

Anfangs gab es eine zentrale Spülküche

An der Vertriebsstruktur „tüftelte“ FairCup besonders intensiv. Denn in den Ausgabestellen müssen immer genügend Becher vorrätig sein. Außerdem musste dafür gesorgt werden, dass gebrauchte Becher gereinigt und defekte Produkte aussortiert werden. Zunächst wurden die Becher noch von einem Kurierdienst abgeholt und in eine zentrale Spülküche gebracht. Mittlerweile spülen die Geschäfte vor Ort selbst, weil dies viel günstiger und umweltfreundlicher ist. FairCup-Ausgabestellen fordern über die Software „FairCup-Manager“ neue Becher an oder leiten auch die Rücklieferung gebrauchter Produkte in die Wege.

Verleihung des Blauen Umweltengels an FairCup (Bild: BMU-Photothek/Felix Zahn)

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (r.) bekam von Sibylle Meyer anlässlich der Zertifizierung mit dem Blauen Umweltengel gleich einen FairCup überreicht. (Bild: BMU-Photothek/Felix Zahn)

Seit Juni ist der FairCup sogar mit dem Blauen Umweltengel zertifiziert. Damit können dessen Nutzer wirklich sicher sein, dass er klimafreundlicher als Einwegpappbecher ist. Denn weil Mehrwegbecher wesentlich aufwendiger herzustellen sind, müssen sie häufiger genutzt werden. Die Vergaberegeln für den Blauen Engel verlangen, dass Mehrwegbecher 500 Spülzyklen überstehen müssen.

Freie Automaten für Hildesheim beantragt

Geht es nach Sibylle Meyer, wird die FairCup-Nutzung künftig noch einfacher. Kunden sollen die Becher ganz normal im Supermarkt an Pfandautomaten zurückgeben können. Modellversuche dazu laufen in drei Supermärkten in Hildesheim. Bei der Stadt Hildesheim wurde auch die Aufstellung freier Automaten beantragt. Die von Tomra Systems hergestellten, mit der FairCup-Manager-Software versehenen Geräte würde FairCup selbst betreiben. „Die Automaten melden ihre Füllstände an unsere Datenbank, wodurch wir die Leerung ebenfalls über die App koordinieren können“, erläutert Sibylle Meyer das Prozedere.

FairCup unter Kaffeeautomat (Bild: FairCup)

Nun auch mit Blauem Umweltengel: Der FairCup eignet sich nicht nur für den mobilen Kaffeegenuss. (Bild: FairCup)

Die Mehrwegbecher-Unternehmerin betont im Gespräch mit dem packaging journal, dass der FairCup eine multifunktionale Verpackung und viel mehr als ein nur ein Kaffeebecher sei: „Sie holen sich im FairCup Ihren Fleischsalat oder Parmesan für Ihre Spaghetti und geben ihn mit Ihren Bier- oder Wasserkästen und Flaschen am Leergutautomaten ab. Ihr Pfandgut können Sie dann mit dem Einkauf verrechnen oder spenden. Die Supermärkte reinigen die Becher und verwenden sie wieder als Verpackungsersatz.“

Alle Informationen zum FairCup finden Sie auf
www.fair-cup.de/