Harro Höfliger: Das Produkt definiert Prozess und Maschine

Verpackungslinie für die aseptische Montage von Feststoffimplantatspritzen
Linie für die aseptische Montage von Feststoffimplantatspritzen (Bild: Harro Höfliger Verpackungsmaschinen)

Die Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH aus dem schwäbischen Allmersbach im Tal ist auf Prozesslösungen für pharmazeutische und medizinische Produkte und marktgängige Konsumgüter spezialisiert. Produktmontage und Endverpackung sowie hochgenaues Befüllen und aseptische Prozesse zählen zu den Kernkompetenzen. Ein Grundsatz des Unternehmens lautet: Das Produkt definiert Maschine und Prozess.

Komplexe Verpackungslösungen von Harro Höfliger

Der Ursprung des Unternehmens geht auf Kartonierer und Verpackungsmaschinen zurück. Heute bietet Harro Höfliger modular aufgebaute Lösungen für die Sekundär- und Tertiärverpackung an. Standardplattformen werden um individuelle Zuführ- und Handhabungstechnik komplettiert. Dabei stehen die Anpassung an das Kundenprodukt und der sichere Transport im Vordergrund, wodurch maßgeschneiderte Lösungen entstehen. Das gilt selbst für außergewöhnliche Verpackungen oder Multi-Formate-Anlagen – wo andere aufhören, fängt Harro Höfliger an. Die Kunden können sich dabei auf Erfahrungen aus über 40 Jahren Verpackungsmaschinenbau verlassen.

Markus Höfliger, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH

(Bild: Harro Höfliger Verpackungsmaschinen)

„Als familiengeführte Firma wirtschaften wir nachhaltig und denken langfristig. Den Kompass für unser Handeln bilden unsere Unternehmenswerte: Vertrauen, Fairness, Offenheit und gegenseitiger Respekt sind fester Bestandteil des Miteinanders.“ Markus Höfliger, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH



Beispielsweise stellen Pflaster und andere Produkte zur Wundversorgung unter anderem wegen ihres geringen Gewichts eine Herausforderung dar. Zunächst erfolgt die Verarbeitung des Rohmaterials dieser Produkte mit Bahnverarbeitungsmaschinen. Im Anschluss folgt das einwandfreie und sichere Verpacken, das bei flachen Beuteln und hohen Geschwindigkeiten präzise Handhabungsprozesse voraussetzt.

Auch Pens und Autoinjektoren müssen sicher und präzise gehandhabt werden. Dabei spielt etwa die lagerichtige Platzierung der Produkte in den Faltschachteln eine wichtige Rolle. Nach dem ordnungsgemäßen Verpacken folgen die Gewichtskontrolle, das Bedrucken mit einem Serialisierungscode inklusive optischer Erfassung und das finale Verpacken via Wrap-Around oder Side Loading für den Transport.

Diese Prozesskette findet sich auch bei Vials, Kontaktlinsen, Spritzen, Flaschen und sogenannten Blow-Fill-Seal-Streifen wieder. Für das vollautomatische Verpacken dieser Streifen hat Harro Höfliger schlüsselfertige Verpackungslinien konzipiert, die alle Schritte bis zur versandbereiten Kartonierung abdecken – sowohl mit Produktzuführung aus dem Bulk als auch im direkten Linienverbund mit einer Blow-Fill-Seal-Anlage.

Inhalationsprodukte für pulmonale und nasale Applikation

Wie viele verschiedene Prozessschritte Harro Höfliger abdeckt, wird auch im Bereich der Inhalation deutlich – von der Pulverdosierung über die präzise Montage bis zum schonenden Verpacken kann hier eine Gesamtlösung geboten werden. Innerhalb des Prozesses können sowohl Blister, Kapseln und Disks als auch Reservoirs und Liquid Cartridges verarbeitet werden.

Egal, ob pulverförmige oder liquide Stoffe in Inhalatoren abzufüllen sind, Harro Höfliger stellt jedem Kunden die auf sein jeweiliges Präparat zugeschnittene Dosiertechnologie zur Verfügung. Physikalische Eigenschaften und Besonderheiten der Füllmedien haben hierbei entscheidenden Einfluss auf die Auswahl des optimalen Dosiersystems. Die Experten der Abteilung Pharma Services unterstützen unter anderem mit einem hauseigenen Labor und Füllversuchen bei der Auswahl.

Selbst für kleinste Mengen inhalierbarer Produkte, wie zum Beispiel Trockenpulver-Inhalatoren/Dry Powder Inhaler (DPI), können verschiedene Abfülltechnologien eingesetzt werden. Mit diesen Systemen lassen sich frei fließende und kohäsive Pulver noch in Mengen unter einem Milligramm dosieren. Röntgen- und Sensortechnik stellt sicher, dass die exakte Füllmenge eingebracht wurde. Kamerasysteme überwachen den korrekten Ablauf des Produktionsprozesses.

Sterile Produkte erfordern aseptische Prozesse

Mit dem Konzept der Hygieneklassen hat der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) die ideale Verbindung hygienischer Anforderungen zwischen Maschine und den zu verarbeitenden Produkten geschaffen.

In zehn Reinräumen, darunter drei für den High- Potent-Bereich, können Originalformulierungen in kontrollierter Umgebung verarbeitet werden.

In zehn Reinräumen, darunter drei für den High-Potent-Bereich, können Originalformulierungen in kontrollierter Umgebung verarbeitet werden. (Bild: Harro Höfliger Verpackungsmaschinen)

Bei der Hygieneklasse Aseptic, die das Unternehmen Harro Höfliger verfolgt, haben Sterilität und die Vermeidung jeglichen Keimeintrags nach der Sterilisation der Produkte oberste Priorität. Hier stehen drei Bereiche im Fokus: Produktsterilisation, das Produkt sowohl steril halten als auch fördern sowie die finale sterile Abfüllung und Verpackung.

Entscheidend für eine sichere und ökonomische Produktion ist immer auch die Prozesssicherheit. Das bedeutet vor allen Dingen Kontrollen, wo immer sie möglich sind. Entsprechend den konkreten Anforderungen werden dafür verschiedene Systeme eingesetzt. Entweder sind sie bereits im Prozess eingebunden oder arbeiten an separater Stelle. Zu diesen Systemen zählen Brutto-/Netto-Wiegezellen beim Dosieren.

Eine Echtzeitauswertung gibt Aufschluss über noch so minimale Abweichungen oder unkorrekte Teile zur Aussortierung. Diverse Analyseverfahren diagnostizieren sowohl Gase als auch noch so kleine Verunreinigungen, messen Restsauerstoff oder ermitteln via Kamerasystem aktuelle Produktionszustände. Eine zusätzliche Laminar-Flow-Technik erhöht den Produktschutz. Dabei sind stets die Vorgaben der GMP (Good Manufacturing Practice) sowie Richtlinien der EU und FDA (Food and Drug Administration) einzuhalten.

Harro Höfliger bietet maßgeschneiderte Barrieretechnik zum Schutz von Produkt, Bediener und Umwelt.

Harro Höfliger bietet maßgeschneiderte Barrieretechnik zum Schutz von Produkt, Bediener und Umwelt. (Bild: Harro Höfliger Verpackungsmaschinen)

Neben dem Produkt ist auch der Bediener optimal zu schützen. Hier helfen auf die Prozesstechnik abgestimmte Barrieresysteme weiter. RABS, Restricted Access Barrier Systems, stellen durch Einhausung und Handschuheingriffe eine Trennung zwischen Produkt und Bediener her.

Interdisziplinarität und Kundenverständnis im Fokus bei Harro Höfliger

Die Kreativität der Mitarbeiter Harro Höfligers basiert auf langjähriger Erfahrung mit pharmazeutischen, medizintechnischen und Verbrauchsprodukten sowie zielorientierter Forschung und Entwicklung. Extrem wichtig ist das Verständnis der Kundenprodukte. Die breite Basis an Kerntechnologien, zum Beispiel für Dosier-, Montage- und bahnverarbeitende Prozesse, dient als Grundlage für die jeweilige Lösung.

Ein Schlüssel zur Innovation ist Interdisziplinarität: Unter den rund 1.400 Mitarbeitern arbeiten etwa 300 in der Entwicklung; und das sind nicht nur Maschinenbauingenieure, sondern auch Pharmazeuten und Pharmaingenieure. Bei Harro Höfliger verstehen die Beschäftigten sowohl etwas vom Pharmabereich als auch vom Maschinenbau. Diese Kombination ist entscheidend für den Erfolg und sorgt für Innovationen. Seit einiger Zeit gibt es eine eigene Abteilung für die Kreation von Neuheiten mit dem Namen Engineering & Innovation.

1975 in Stuttgart-Untertürkheim von Harro Höfliger gegründet, hat das Unternehmen seinen Hauptsitz seit 1979 in Allmersbach im Tal. 2018 setzte das Unternehmen 285 Millionen Euro um. Der Exportanteil betrug über 80 Prozent. Der Fokus liegt auf kundenindividuellen Produktions- und Prozesslösungen.