Nachgefragt: Bosch plant Verkauf des Geschäfts mit Verpackungsmaschinen

Dr. Stefan König, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Packaging Technology GmbHDr. Stefan König, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Packaging Technology GmbH

Bosch plant den Verkauf des Geschäfts mit Verpackungsmaschinen. Im einem exklusiven Statement erläutert Dr. Stefan König, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Packaging Technology GmbH die aktuelle Situation.

pj: Noch Anfang Juni 2018 wurde für die Robert Bosch Packaging Technology GmbH (PA) eine stabile Geschäftsentwicklung gemeldet und eine positive Umsatzentwicklung zumindest für den Pharmabereich prognostiziert. Welche Beweggründe waren maßgeblich für diese Entscheidung?

Dr. Stefan König: Nach intensiver und gründlicher Prüfung aller strategischen Optionen hat Bosch beschlossen, einen Käufer für das Geschäft mit Verpackungstechnik (PA) zu suchen. Das betrifft die Bereiche Pharma und Food des Geschäftsbereichs Packaging Technology. Im Hinblick auf die Fokussierung der Bosch-Gruppe auf die erforderliche Transformation haben sich innerhalb von Bosch keine unternehmerisch und technologisch ausreichend relevanten Synergien, und damit Perspektiven für die Zukunft des Bereichs bei Bosch, ergeben. Die Verpackungstechnik gehört nicht zum Kerngeschäft des Konzerns. Zudem verfolgt die Bosch-Gruppe die Strategie, sich wettbewerbsgerecht aufzustellen. Folglich passt die Bosch-Gruppe ihre Geschäftsfelder kontinuierlich an – dazu gehört auch diese Entscheidung.

pj: Ist schon abzusehen, ob die Bereiche Pharma und Food in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben?

Dr. Stefan König: Wir sind eines der größten Unternehmen unserer Branche und klar auf dem richtigen Weg. Wir werden als starker, stabiler Bereich zusammenbleiben und als bewährtes Team – auch unter einem neuen Eigner – unseren Kunden hervorragende Produktionslösungen und Services bereitstellen.

pj: Sieht man die Veränderung als Chance (auch für eine Neuausrichtung)?

Dr. Stefan König: Bosch Packaging Technology war schon immer ein weitestgehend eigenständiger Bereich der Bosch-Gruppe und wird sich künftig noch spezifischer für den Bedarf der Branche aufstellen können. Unsere Kunden werden davon profitieren.

Die Bosch-Gruppe ist überzeugt, dass der Geschäftsbereich Verpackungstechnik eine andere Aufstellung benötigt, um flexibler auf die spezifischen Anforderungen des Marktes für den Sondermaschinenbau reagieren zu können. Für die nachhaltige Stärkung des Bereichs mit Pharma und Food wird ein schlagkräftiger Käufer gesucht. Dabei müssen auch die Vorstellungen für eine langfristige Ausrichtung aufgezeigt werden.

Es gibt verschiedene Arten möglicher Erwerber und dementsprechend unterschiedliche Möglichkeiten. Die Bosch-Gruppe erwartet von einem Käufer ein klares Konzept zur Weiterentwicklung des Geschäfts: Dies kann beispielsweise der Zugang zu weiteren regionalen Märkten sein – oder eine Unternehmensstruktur und -prozesse, die noch besser auf den Sondermaschinenbau ausgerichtet sind. Wir sind überzeugt, dass ein Käufer mit einem klaren industriellen Konzept das Geschäft nachhaltig stärken kann.

pj: Welche zeitlichen Vorstellungen gibt es für die Trennung?

Dr. Stefan König: Die Verkaufsvorbereitungen beginnen erst jetzt und werden sehr strukturiert und geordnet ablaufen. In der Regel dauert so ein Prozess 1,5 bis zwei Jahre. Spekulationen über mögliche Käufer helfen nicht. Wir bitten hier um Ihr Verständnis.

pj: Wie werden die Unternehmensbereiche sich auf den Messen präsentieren?

Dr. Stefan König: Wir werden wie geplant auf den anstehenden Messen präsentieren. In Deutschland fokussieren wie uns im zweiten Halbjahr beispielsweise auf die Messen iba und Fachpack sowie das Visual Inspection Forum in Berlin, international bedeutend ist für uns die Messe Healthcare Packaging Expo sowie Pack Expo International im Oktober in den USA.

pj: Sollen Entwicklungen weiter wie geplant vorangetrieben werden?

Dr. Stefan König: Ja, wir werden vorgesehene Investitionen fortführen und das Geschäft wie geplant weiter ausbauen.

pj: Werden sich für die Kunden weltweit Konsequenzen ergeben?

Dr. Stefan König: Unsere Kunden, Lieferanten und Partner sowie die Medien und Politik wurden noch am selben Tag informiert. Diese frühe Kommunikation ermöglicht es im weiteren Verkaufsprozess alle Beteiligten in den Prozess einzubeziehen und möglichen Gerüchten und Misstrauen vorzubeugen.

Selbstverständlich werden wir bei Bosch Packaging Technology unser Geschäft mit Hochdruck und Leidenschaft fortsetzen. Das Produkt- und Serviceportfolio bleibt gleich, ebenso die Ansprechpartner für unsere Kunden. Wir bleiben weiterhin der zuverlässige Partner für unsere Kunden und werden selbstverständlich alle bestehenden geschäftlichen Vereinbarungen mit unseren Kunden einhalten. Diese können sich auf die gleiche Sorgfalt bei Liefertreue sowie auf die gewohnte hohe Qualität verlassen.

Die Bosch-Gruppe stellt einen geregelten, reibungslosen Übergangsprozess zu einem Erwerber sicher. Es ist die erklärte Absicht, nur einen Erwerber in Betracht zu ziehen, der die bestehenden Vereinbarungen mit unseren Kunden auch nach dem Übergang garantieren wird.

Herr Dr. König, wir bedanken uns für Ihr Statement!

(Das Gespräch führte Brigitte Bähr.)