Spätestens seit November 2022 diskutiert die Verpackungsbranche intensiv über das Thema Nachhaltigkeit und besonders recyclingfähige Verpackungen. Natürlich ist diese Trendthema seit Langem präsent und wohl aus keiner Unternehmensstrategie mehr wegzudenken. Doch die Vorschläge der EU-Kommission zum Green Deal und die Verordnung zu Verpackungen und Verpackungsmanagement (PPWR) versetzten die Industrie in Aufruhr.
Auch wenn der Vorschlag der Kommission grundsätzlich auf offene Ohren trifft und viel Zustimmung erhält, stehen Unternehmen nun vor großen Veränderungen. packaging journal hat exklusiv mit Vertretern von Constantia Flexibles zum Thema und zum Umgang im Unternehmen gesprochen.

Der Vorschlag der EU-Kommission hat für einige Diskussionen gesorgt. Was wird Ihnen aus der Industrie und aus dem eigenen Unternehmen gespiegelt? Wo liegen die Probleme bei der Verordnung?
Und das führt technisch zu Limitationen beim mechanischen Recycling bei polyolefinischen Lebensmittelverpackungen. Der einzige Ausweg ist das chemische Recycling, und da können wir als Converter nur hoffen, dass unsere Lieferanten, also die Chemieindustrie, ihre Ankündigungen erfüllen, weil sonst haben wir irgendwann keine Rezyklate für unsere Produkte, was de facto einem Verbot gleichkäme. Die unvermeidbaren Produktionsabfälle, sogenanntes Post-Industrial-Rezyklat, die auch gerade bei neuen Technologien anfallen, werden heute in der Rechnung leider gar nicht berücksichtigt. In früheren Entwürfen war da eine Beimengung von PIR auch erlaubt. Das hätte unsere Innovationskraft gestärkt. Zum Thema recyclable, wo wir für fast alle Anwendungen voll dahinterstehen, gibt es nur wenige Nischen, wo biodegradable eine Ausnahme sein kann. Von daher ist das grundsätzlich auch zu begrüßen, dass biodegradable sich auf spezielle Nischenanwendungen fokussieren soll.
Martina Wagner — Wir begrüßen den ambitionierten Vorschlag der EU-Kommission in Form einer Verordnung, der zu einer Reduktion des ökologischen Fußabdrucks Europas beitragen kann. Für uns ist wichtig, dass er auch zu einer Harmonisierung führt. Wir haben in Europa derzeit unterschiedliche Anforderungen bezüglich Recyclingfähigkeit, aber auch beim Labelling von Verpackungen. Daher sind wir erfreut, dass diese Verordnung das Potenzial hat, einheitliche Standards zu schaffen und damit den freien Warenverkehr zu unterstützen. Wir sehen, dass mit dem Entwurf zur Verordnung ein wichtiger Schritt getan wurde, allerdings braucht es an einigen Stellen Nachschärfungen. Wesentlich ist hier Klarheit zu schaffen, damit einerseits Planungssicherheit besteht, aber auch wohin entwickelt werden soll, sprich klare Design for Recycling Richtlinien. Um realistische Timelines einzuhalten, muss neben der kontinuierlichen Verbesserung des Produktdesigns auch Zeit für die Entwicklung von Innovationen gegeben sein. Und es braucht dann auch die entsprechende Infrastruktur, um diese Verpackungen zu sammeln, zu sortieren und zu recyceln. Zur Erreichung der in der Verordnung vorgeschlagenen Anforderung, dass Verpackungen bis 2035 recycled at scale sind, braucht es einen weiteren Ausbau der Infrastruktur.
Wie sehen Sie den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik? Was spielt das für eine Rolle und läuft das gut?

Richten wir den auf die Endverbraucher: Was ist Ihnen da mit Blick auf die Kommunikation beim Thema Nachhaltigkeit wichtig?
Achim Grefenstein — Dazu möchte ich gerne ergänzen: Man kann nicht alles nur mit einem Material erfüllen. Wir als Constantia Flexibles verfolgen einen 360-Grad-Material-Ansatz. Das heißt, wir werden weiterhin mit allen Materialien, Aluminium, Kunststoff und Papier, arbeiten. Wir werden sie aber nicht mehr miteinander kombinieren, sondern entweder für den Aluminium-, den Kunststoff- oder Papierstrom recyclingfähig gestalten. Dazu ist natürlich auch ein enger Austausch mit dem Kunden und Partnern entlang der Wertschöpfungskette notwendig.
Gibt es noch andere Veränderungen für die Verpackungs- und Kunststoffbranche, die Sie in den nächsten Jahren sehen?
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