Untersuchung belegt: Faltschachteln können ins Altpapier

Karton-Faltschachtelen auf grünem Hintergrund
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Faltschachteln sind als Teil der Altpapier-Haushaltssammelware rezyklierbar. Dies belegt eine aktuelle und breit angelegte Untersuchung, die der Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI) bei der Papiertechnischen Stiftung (PTS) in Auftrag gegeben hatte.

Bei allen untersuchten Faltschachtelmustern ergab sich, dass die Faserstoffkomponente der verschiedenen Faltschachtel-Verpackungen dem stofflichen Recycling vollständig wieder zuführbar ist. Die Faserstoffausbeute verringert sich erwartungsgemäß nur um den Anteil papierfremder Produktbestandteile wie insbesondere Kunststoffe aus Barriere-Beschichtungen oder Befensterungen. Selbst eine auf zehn Minuten verkürzte Zerfaserungszeit– gegenüber 20 Minuten gemäß Untersuchungsstandard – hat keinen Einfluss auf die Faserstoffausbeute, da mit wenigen Ausnahmen der maximale Faserstoffgehalt bereits innerhalb des kürzeren Intervalls aufgelöst war.

Keine Einschränkungen bei Qualität der Fasern

Zudem zeigte die Qualität des gewonnenen Faserstoffes (Rezyklat) in punkto Klebrigkeit oder optischen Inhomogenitäten keine Einschränkung hinsichtlich der werkstofflichen Verwertung über den Stoffstrom Altpapier-Haushaltssammelware.
Zwar traten bei einzelnen Mustern der Kategorien Druck/Lack und Klebstoffapplikationen visuell störende Inhomogenitäten oder erhöhte Klebrigkeit auf, diese können aber entweder abgetrennt werden oder sind in der Altpapier-Haushaltssammelware als unkritisch einzustufen.

Ähnliches gilt für Metallisierungen, die bei den untersuchten Mustern via PET-Kaschierung oder Kaltfolientransfer auf die Faltschachteln appliziert wurden. Zwar führen bei diesen Anwendungen die Metallisierungen zu einer schlechteren Abtrennbarkeit dieser Partikel in der Sortierung, was visuell störende Verunreinigungen hervorrief. Diese sind aber in einer Mischung wie der Haushaltssammelware rezyklierbar.

Auch beschichtete Faltschachteln im Altpapier recyclingfähig

Kunststoffbestandteile aus Innenbeschichtungen und Außenkaschierungen fragmentieren d.h. zerfallen geringfügig, waren in der Sortierung aber gut abtrennbar. Dies belegt insbesondere, dass einseitig beschichtete Faltschachteln in der Altpapier-Haushaltssammelware recyclingfähig sind. Gleiches wurde auch für Bechermaterialien bestätigt, von denen vier Muster in der Untersuchung ebenfalls analysiert wurden. Wenn solche Bechermaterialien nicht nassfest ausgerüstet sind, wären sie ebenfalls in der Altpapier-Haushaltssammelware recyclingfähig.

„Mit der Untersuchung bestätigt sich die seit Jahrzehnten gelebte Praxis, wonach der Konsument alles richtig macht, wenn er Faltschachteln nach der Produktentnahme zum Recycling ins Altpapier gibt. Die Kreislaufführung des Rezyklats „Altpapierfaser“ – auch aus Faltschachteln – ist praktizierte Nachhaltigkeit.“
Andreas Helbig, Vorstandssprecher Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI)

Hersteller fordern Nachweis zur Recyclingfähigkeit

Der FFI sieht seine aktuelle Untersuchung als einen wesentlichen Diskussions- und Lösungsbeitrag der Faltschachtel-Industrie zur aktuellen gesellschafts- und umweltpolitischen Debatte um die Kreislaufführung und Recyclingfähigkeit von gebrauchten Verpackungen an. Einerseits formulieren Markenartikelindustrie und Handel zunehmend Grundsätze und Standards für Verpackungen, nach denen diese recyclingfähig sein oder bestimmte Rezyklat-Anteile aufweisen sollen. Andererseits haben die Dualen Systeme den gesetzlichen Auftrag, den privaten Endverbraucher über das richtige Trennen von gebrauchten Verpackungsabfällen zu informieren.

Der Bericht zur Unterschung ist auf der FFI Homepage abrufbar.

Geschäftsjahr im Zeichen von Corona

Wie der FFI jetzt mitteilte, stiegt im Geschäftsjahr 2019 bei den Mitgliedern das Produktionsvolumen um 2,3 Prozent. Unabhängig davon besteht aber nach wie vor ein hoher Preisdruck in Europa, der rechnerische Produktionswert produzierter Faltschachteln ist um fünf Prozent auf 2.037 Euro pro Tonne zurückgegangen. Das laufende Geschäftsjahr steht vor allem im Zeichen von Corona. Im ersten Halbjahr 2020 ist das Produktionsvolumen der deutschen Faltschachtel-Industrie gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent gestiegen. Für das dritte Quartal 2020 liegen gegenwärtig nur die Daten von den FFI Mitgliedern vor. Demnach ging die Produktionstätigkeit um 1,3 Prozent zurück im Vergleich zum korrespondierenden Sommerquartal 2019. Der entsprechende Produktionswert reduzierte sich um 5,3 Prozent.

Die Daten für 2020 bestätigen die speziellen Corona-Sondereffekte und ähneln der wellenförmige Entwicklung der Infektionszahlen in Deutschland. Insbesondere das zweite Quartal 2020 führte in zahlreichen Faltschachtel-Segmenten für Konsumgüter des täglichen Bedarfs wie beispielsweise in den verschiedenen Produktbereichen des Lebensmittel- und Hygiene-Sektors oder der Pharmazie zunächst zu einem gesteigerten Orderverhalten und einer erhöhten Produktionstätigkeit. Die abermaligen temporären Schließungen des Gastronomiebereichs könnten jetzt erneut zu einem erhöhten Absatz bei Faltschachteln für Lebensmittel führen.

Quelle:  Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI)