Vom Dreimannbetrieb zum Weltmarktführer: Marbach im Portrait

Verpackungen, die mit Marbach-Werkzeugen gestanzt wurden.
Verpackungen, die mit Marbach-Werkzeugen gestanzt wurden (v.l.n.r.): Gegenritztechnologie für optisch ansprechende Aufreißmechanismen, Round-corner-Verpackung (hergestellt mit einer Marbach rillplattenform), Verpackung mit einer Prägung des Gesichts, Verpackung mit Blindenschriftprägung. (Bilder: Marbach)

Die Unternehmensgeschichte der Marbach-Gruppe hat eine Menge zu bieten: 1923 startet der gerade einmal 25-jährige Karl Marbach sen. mit zwei Partnern mit der Produktion von Schneidemessern für die Schuhindustrie in die Selbstständigkeit. Heute ist der mittelständische Familienbetrieb aus Heilbronn als Weltmarktführer für Stanzformen und Thermoformwerkzeuge eng mit der Verpackungsindustrie verbunden.

Dabei ist die wirtschaftliche Situation 1923 denkbar schlecht. Trotzdem geht Karl Marbach sen. das Wagnis ein, ein Unternehmen zu gründen. Schnell erweitert der begabte Techniker seinen Blickwinkel und beschäftigt sich auf Anfrage der Firma Nupnau Werbemitteltechnik mit der Bandstahltechnologie. Der Erfolg stellt sich ein – die neue Kundenklientel kommt aus der Papier verarbeitenden und der Werbemittelindustrie.

Dann kommt der Rückschlag: Im Zweiten Weltkrieg wird das Firmengebäude teilweise zerstört. Marbach beginnt nach fast 25 Jahren noch einmal bei null, baut mit großer Ausdauer und vielen Entbehrungen das Unternehmen wieder auf. Dann tritt 1955, nach seiner Ausbildung als Mechaniker und anschließendem Ingenieursstudium, auch Sohn Karl Marbach jun. in das noch kleine Unternehmen ein und übernimmt die Verantwortung.

Gründer Karl Marbach sen. (links) wagte 1923 den Schritt in die Selbstständigkeit. Karl Marbach jun.(rechts) zog sich im Jahr 2007 aus der Geschäftsführung zurück.

Gründer Karl Marbach sen. (links) wagte 1923 den Schritt in die Selbstständigkeit. Karl Marbach jun.(rechts) zog sich im Jahr 2007 aus der Geschäftsführung zurück. (Bilder: Marbach)

In der Folge wächst der Werkzeughersteller kontinuierlich und erweitert sein Portfolio: 1957 entsteht der Bereich Werkzeugbau, und das erste Thermoformwerkzeug wird hergestellt. Mit dem Marbach Werkzeugbau entsteht ein ganz neuer Bereich, der in der Zukunft als zweites Standbein einen wichtigen Anteil am Erfolg des Unternehmens haben wird. 1968 beginnt man mit der Produktion von Rotationsstanzformen für die Wellpappenindustrie.

Wegweisende Entscheidungen

Im selben Jahr stößt Karl Marbach jun. zum ersten Mal auf Informationen über das „Schneiden mit Licht“. Dieses Thema lässt ihn nicht mehr los.

1972 ist es dann so weit: Die erste CO2-Laseranlage für die Stanzformenfertigung in Europa wird in Heilbronn installiert. Der Einsatz der Lasertechnik für die Fertigung von Stanzwerkzeugen ist ein wegweisender Schritt für den Erfolg der Marbach-Gruppe.

Die erste CO2-Laserschneidanlage für die Stanzformenherstellung in Europa wurde 1972 bei Marbach installiert. (Bild: Marbach)

Die erste CO2-Laserschneidanlage für die Stanzformenherstellung in Europa wurde 1972 bei Marbach installiert. (Bild: Marbach)

Die Lasertechnologie gilt als Revolution in der Stanzformtechnik, da durch sie mehrere manuelle Tätigkeiten, deren Toleranzen sich aufsummiert haben, ersetzt werden. Die neue Werkzeugqualität ist folglich einzigartig am Markt.

Marbach geht damit außerhalb Deutschlands verstärkt auf Kundensuche. Die drupa in Düsseldorf ist 1977 die erste große Messe als Aussteller und wird ein überragender Erfolg. So wird Marbach zunehmend international und Stanzformen „made by Marbach“ ein Synonym für Qualität.

Deshalb wird im Jahr 1984 ein längst notwendiger Schritt vollzogen: Marbach wird international. Auf eine erste Beteiligung in Großbritannien folgen nach und nach die ersten Niederlassungen im Ausland. Ein Jahr später teilt sich das Unternehmen in Stanzformtechnik und Werkzeugbau (Thermoformwerkzeuge).

Allein zwischen 2010 und 2020 eröffnet Marbach fünf neue Niederlassungen in Amerika, Asien und Europa. Produktionsstandorte sind neben Deutschland auch in Polen, Tschechien, Rumänien, der Slowakei, Malaysia, China und den USA beheimatet. In weiteren Ländern werden die Kunden des Unternehmens durch entsprechende Partner schnell und kompetent betreut.

Entwicklung von Marktstandards

1988 tritt mit Peter Marbach die dritte Generation der Unternehmerfamilie in den Betrieb ein. In den folgenden Jahren entstehen bei Marbach zahlreiche Innovationen, viele davon sind heute Marktstandard. So werden 1994 erste Schneidsegmente für Rotationswerkzeuge hergestellt, kurze Zeit später entsteht der Produktbereich Rotationswerkzeuge für Zigarettenverpackungen.

Ende der 1990er-Jahre beginnt Marbach mit dem Verkauf von Maschinen und Stanzformmaterialien an seine Wettbewerber. Der Bereich Marbach Supplies & Automation entsteht.

Expansion und Investitionen

Die folgenden Jahrzehnte sind geprägt von weltweitem Wachstum und vom Ausbau internationaler Partnerschaften. Im Jahr 2001 erweitert Marbach sein Portfolio um Prägungen und ist heute eines der wenigen Unternehmen, das beides – Stanzformen und Prägungen –selbst herstellt und anbietet.

Am Hauptsitz in Heilbronn wird im Jahr 2008 ein 15.000 Quadratmeter großes, neues Gebäude bezogen. Im Fokus stehen optimierte Prozesse bei der Werkzeugherstellung und geringer Energieverbrauch.

Die Unternehmenszentrale wurde 2008 am Standort Heilbronn neu gebaut.

Die Unternehmenszentrale wurde 2008 am Standort Heilbronn neu gebaut. (Bild: Marbach)

2017 investiert Marbach in eine Stanzmaschine: Die Marbach Academy ist geboren. Fortan wird die Branche von Marbach geschult und das Dienstleistungsportfolio rund um die Verpackung ausgeweitet.

Heute ist Marbach Weltmarktführer und durch seine Schwerpunkte einzigartig am Markt:

  1. Automatisierung und Digitalisierung

Die Stanzformenherstellung war früher ein sehr arbeitsintensiver Prozess, der Automatisierungsgrad war gering. Marbach hat in den letzten Jahrzehnten Maschinen und Anlagen entwickelt, die eine schnelle, flexible und sehr präzise Herstellung von Werkzeugen ermöglichen.

Ein umfassender Maschinenpark aus Laseranlagen, Wasserstrahlschneidanlagen, Fräsmaschinen und Linienbearbeitungsmaschinen sowie verschiedene Montagemaschinen sorgen für effiziente Prozesse und präzise Werkzeuge. Der Einsatz digitaler Fertigungstechnologien und Werkzeuglösungen sorgt für eine weitere Leistungssteigerung bei den Kunden.

Stanzwerkzeug im Einsatz in einer Stanzmaschine.

Stanzwerkzeug im Einsatz in einer Stanzmaschine. (Bild: Marbach)

  1. Branchenübergreifende Werkzeugausstattung

Marbach ist vielfältig wie die Verpackungsindustrie. Zu den Kunden gehören Hersteller von Faltschachteln und Wellpappenverpackungen – aber auch viele weitere Branchen. In den Supermarktregalen finden sich zahlreiche Verpackungen, die mit Marbach-Werkzeugen hergestellt sind.

Ob Kosmetika, Lebensmittel, Süßwaren, Getränke, Non-Food, Elektronik, Medizin oder Produkte aus dem Molkerei- und Tobacco-Sektor: Beim Einkauf in einem deutschen Supermarkt liegt die Wahrscheinlichkeit, ein Produkt zu kaufen, an dessen Verpackung Marbach beteiligt war, bei ca. 50 bis 60 Prozent. Die mit innovativen Marbach-Werkzeugen hergestellten Verpackungen sorgen am Point of Sale für die perfekte Präsentation von Produkten.

  1. Dienstleistungen rund um die Verpackung

Marbach bietet mit seinem 360-Grad-Service verschiedene Dienstleistungen rund um die Verpackung an. Die Marbach-Experten beraten hinsichtlich Verpackungsoptimierung, unterstützen bei der Verpackungsentwicklung und erstellen CAD-Daten.

Darüber hinaus wird unter dem Motto „Mehr Wissen. Mehr Können“ in den Bereichen Stanzen von Kartonage und Wellpappe ein umfangreiches Schulungsprogramm in der Marbach Academy angeboten.

Ein weiterer Baustein ist das Marbach-Performance-Paket. Dabei analysieren erfahrene Marbach-Anwendungstechniker die Stanzprozesse samt Umfeld der Marbach-Kunden vor Ort. Auf Basis dieser Analyse entsteht ein Maßnahmenpaket zur Rüstreduzierung und Produktivitätssteigerung. Für optimale Prozesse und Höchstleistungen bei der Verpackungsherstellung.

Blick in die Produktion der Marbach-Unternehmenszentrale in Heilbronn.

Blick in die Produktion der Unternehmenszentrale in Heilbronn. (Bild: Marbach)

Verpackungsrelevante Innovationen

Marbach hat im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Technologien auf den Markt gebracht, die heute Standard in der Branche sind. Hierzu gehören unter anderem mpower, marbastrip, rillplattenform sowie die greenplate.

Die von Marbach entwickelte mpower-Schneidlinie setzt einen wichtigen Standard. Sie verfügt über eine verrundete Schneidenspitze, die Toleranzen schluckt, Engelshaare eliminiert und die nahezu immun gegen Überdruck ist. Im Paket mit weiteren Komponenten wie speziellen Bearbeitungs- und Montagetechniken werden damit Messerzurichtezeiten drastisch reduziert.

Das Ausbrechsystem marbastrip hat ein perfekt aufeinander abgestimmtes Ausbrechober- und -unterteil. In Kombination mit den von Marbach entwickelten marbastrip-Ausbrechkrallen sorgt es dafür, dass auch kleiner Innenabfall optimal ausgebrochen wird. Das zeitaufwendige Setzen von Unterstiften entfällt.

Die rillplattenform kommt bei sehr hohen Auflagen und höchsten Anforderungen an Stanz- und Rillergebnis vorwiegend im Tabak- und Getränkebereich zum Einsatz. Aber auch bei Verpackungen, deren Rillungen sehr geringe Rückstellkräfte haben sollen. CNC-gefräste Rillplatten sorgen für höchste Präzision. Spezielle Verpackungslösungen sind damit realisierbar. Die rillplattenform steht für eine schnelle und sichere Verarbeitung von Zuschnitten auf Abpackmaschinen.

Für beste Rillergebnisse vom ersten bis zum letzten Bogen: die rillplattenform.

Für beste Rillergebnisse vom ersten bis zum letzten Bogen: die rillplattenform. (Bild: Marbach)

Die greenplate ist eine von Marbach entwickelte Trägerplatte, die zu 30 Prozent aus dem Primärrohstoff Birke und zu 70 Prozent aus umweltfreundlichem, speziellem Sekundärmaterial besteht. Durch diesen neuartigen Aufbau wird ein wesentlich höherer Holzausnutzungsgrad als bei herkömmlichen Stanzformen erreicht.

Peter Marbach, Geschäftsführender Gesellschafter Marbach-Gruppe

Peter Marbach, Geschäftsführender Gesellschafter Marbach-Gruppe (Bild: Marbach)

„Wir alle können dazu beitragen, den Lebensraum künftiger Generationen zu erhalten. Wir stellen uns gerne dieser Verantwortung für die Umwelt und für die Zukunft. Mit der greenplate haben wir eine zukunftsträchtige und nachhaltige Trägerplatte entwickelt, die unsere natürlichen Ressourcen bewusst schont und darüber hinaus durch ihre gute Planlage sowie ihre hohe Druckstabilität für erstklassige Stanzergebnisse sorgt“, betont Geschäftsführer Peter Marbach.

Aktuelle Highlights und Ausblick

Die Stanzmaschinen unterliegen abnutzungsbedingten Toleranzen, weshalb bisher in der Praxis bei jedem einzelnen Auftrag eine Zonenzurichtung vorgenommen werden musste. Dies hat sich mit dem digitalen Zonenausgleich DZL|plate geändert. Denn er gleicht für Monate Toleranzen in der Stanzmaschine aus, nachdem er angewendet wurde, und steht somit für reduzierte Rüstzeiten bei jedem einzelnen Auftrag. Zahlreiche weitere Innovationen zur Rüstzeitminimierung befinden sich momentan bei Marbach in der Entwicklung.

„Für unsere Zukunft bearbeiten wir die Schlagworte ‚Digitalisierung‘ und ‚Industrie 4.0‘. Dieser Wandel wird viele Herausforderungen mit sich bringen, aber auch viele Chancen. Deshalb arbeiten wir stetig an unserer digitalen Zukunft und wollen sie aktiv mitgestalten. Mit vielen neuen Ideen wie CONNECT|M, CONNECT|AR, aber auch dem Einsatz digitaler Fertigungstechnologien, Werkzeuglösungen und optimiertem, digital unterstütztem Kundensupport. Das sorgt für noch mehr Performance bei unseren Kunden“, hebt Peter Marbach hervor.

Packaging. Performance. You.

Das ist das Motto der international führenden Unternehmensgruppe in den Bereichen Stanzformtechnik und Werkzeugbau. Mit 1.500 Mitarbeitern weltweit und Niederlassungen in 20 Ländern setzt Marbach die Benchmark in seiner Branche und liefert Performance pur –immer auf die individuellen Anforderungen des Kunden abgestimmt.

www.marbach.com