„Sprechendes Etikett“ wird zur Eintrittskarte für die digitale Weinprobe

Alle Marketingmittel des Weinguts Leo Fuchs (Bild: Weingut Leo Fuchs)
Einige Weine des Weinguts Leo Fuchs aus Pommern an der Mosel tragen nun „sprechende Etiketten“. (Bild: Weingut Leo Fuchs)

Als vermutlich erster deutscher Weinbaubetrieb hat das Weingut Leo Fuchs seine Etiketten mit einem „Zapcode“ versehen. Damit können Rebensaftliebhaber eine digitale Reise zu einer Weinprobe beim Erzeuger unternehmen.

Knapp 21 Liter Wein trinkt jeder Deutsche pro Jahr. Viele Weinliebhaber beziehen ihren Rebensaft direkt von einem der nach Angaben des Deutschen Weininstituts mehr als 40.000 hiesigen Winzer.

Wie aber finden Fans der gekelterten Köstlichkeiten ihre bevorzugten Erzeuger? Auch im Weinbau gilt: Von selbst kommen die Kunden selten. Das kann auch Kathrin Fuchs bestätigen, deren Ehemann Ulrich mit Vater Bruno das Qualitätsweingut Leo Fuchs in Pommern an der Mosel betreibt. Sie weiß: „Es geht darum, das Weingut als Marke zu positionieren und sich von anderen Anbietern zu differenzieren. Am wichtigsten bleibt aber natürlich die Qualität des Produkts.“

Betrieb ist seit 1624 in Familienhand

Zu diesem Zweck nutzt der seit 1624 in Familienhand befindliche Weinbaubetrieb neben der eigenen Vinothek oder den Empfehlungen zufriedener Kunden auch moderne Marketingideen. Seit Neuestem laden manche Flaschen des gerade trinkfertigen 2018er-Jahrgangs mit einem „sprechenden Etikett“ zu einer „digitalen Weinprobe“ ein, wie die studierte Marketingfachfrau es nennt.

Auf dem Smartphone wird ein kurzes Video mit Erläuterungen zum gerade probierten Rebensaft abgespielt. (Bild: Weingut Leo Fuchs)

Auf dem Smartphone wird ein kurzes Video mit Erläuterungen zum gerade probierten Rebensaft abgespielt. (Bild: Weingut Leo Fuchs)

Dieses Konzept gebe es in Deutschland so noch nicht, berichtet die kreative Ader der Familie. Dabei liegt die Idee nahe. Jeder Weinfreund schätzt es, bei einer Weinprobe dem Winzer zu lauschen, der die geschmacklichen Feinheiten des gerade durch die Kehle rinnenden Rebensafts erläutert. Dieses Erlebnis wolle man nun auch denjenigen bieten, die nicht ins Weingut kommen könnten.

Zapcodes bringen den Winzer aufs Smartphone

Zugang zur digitalen Weinprobe erhalten technikaffine Zecher über ihr Smartphone, auf dem die App „Zappar“ installiert sein muss. Damit scannen sie den sogenannten Zapcode auf dem Rückenetikett. Dieser funktioniert ähnlich wie ein QR-Code und öffnet ein kurzes Video, in dem Ulrich, Bruno oder Kathrin Fuchs etwa eine Minute lang Wissenswertes zum jeweiligen Wein erläutern. „In der Nase riecht er nach reifen Quitten und heimischen Früchten“, sagt Ulrich Fuchs beispielsweise über einen Chardonnay. Kathrin Fuchs empfindet den Geschmack des Cuvées „Sinfonie“ wiederum als „cremig, weich und schmelzig am Gaumen“.

Aufmerksam wurde das Weingut Fuchs auf die Technologie über das Netzwerk „Erfa Food Service“, das sich an Hersteller, Lieferanten, Dienstleister und potenzielle Kunden der Gastronomie richtet. Netzwerkgründer Michael Möhring brachte die Familie Fuchs mit der Filmproduktion „maximinimum“ zusammen, mit der dann die multimediale Idee entwickelt wurde.

„Echten Mehrwert“ biete man mit den sprechenden Etiketten, bekräftigt Kathrin Fuchs. Sie stelle sich Verbraucher vor, die nicht ins Weingut kommen könnten, aber beim Probieren eines entsprechend ausgestatteten Weines – neben den genannten Sorten erhielt außerdem ein Riesling ein sprechendes Etikett – gleichwohl von den Erläuterungen der Erzeuger profitieren wollen.

Tischaufsteller und Flaschenanhänger als Ergänzung

Vor allem aber seien die Kurzvideos eine Hilfe für Gastronomen und Weinhändler bei der Präsentation der Fuchs-Produkte. Mit einem eigens angefertigten Informationsblatt werden sie auf die Zapcodes hingewiesen. Außerdem stellt das Weingut Tischaufsteller und Flaschenanhänger mit Hinweisen auf die Zapcodes zur Verfügung.

Der aktuelle Jahrgang mit den ersten Zapcodes wurde im März etikettiert. Das Frontetikett ziert weiterhin ein unverwechselbares, im Stile Friedensreich Hundertwassers gestaltetes Signet, das Kathrin Fuchs‘ Schwiegermutter Brunhilde bereits in den 1990er-Jahren erschuf. Anfang Mai präsentierte das Weingut seine Mehrwertetiketten auf dem Branchen-Event „Wein im Schloss“ in Koblenz: „Viele Leute haben uns darauf angesprochen“, freut sich Kathrin Fuchs über ermutigende Reaktionen.

Mehr Informationen zum Gesamtangebot des Weingutes erhalten Sie auf der Homepage des Betriebs.
www.leo-fuchs.de