Weniger Verpackungsmüll bei Amazon?

Beim Versand aus deutschen Logistikzentren verzichtet Amazon auf Umverpackungen aus Einwegplastik. (Bild: Shutterstock/Cineberg)
Beim Versand aus deutschen Logistikzentren verzichtet Amazon auf Umverpackungen aus Einwegplastik. (Bild: Shutterstock/Cineberg)

Amazon ist weltweit der größte Player im Onlinehandel und entsprechend groß das Verpackungsaufkommen. Unter anderem auf Druck der Kundschaft bemüht sich der Versandriese seit einigen Jahren, auf unnötige Verpackungen zu verzichten und Bestellungen in passenden Kartons oder Versandtaschen zu verschicken. Wenn die geplante EU-Verpackungsverordnung in Kraft tritt, wird das allein aber nicht reichen.

Nach eigenen Angaben unterstützt Amazon das Ziel der EU-Kommission, übermäßige Verpackungen und Verpackungsabfälle im Onlinehandel anzugehen. So investiere man bereits in „für den Onlinehandel konzipierte Verpackungen“, bei denen die Lieferanten ihre Produkte in Verpackungen liefern, die bereits robust genug sind, um dem Transport standzuhalten, und die keine zusätzliche Umverpackung durch Amazon erfordern. Alles, was dabei in der Lieferkette weiter benötigt wird, ist ein Lieferetikett, und das Produkt kann ohne sekundäres Verpackungsmaterial versendet werden. Seit 2021 hat Amazon demnach die Zahl der Bestellungen, die ohne zusätzliche Amazon-Verpackung an europäische Kundinnen und Kunden verschickt werden, um mehr als 50 Prozent erhöht.

„Sofern keine extra Amazon-Verpackung notwendig ist, wollen wir – wo immer möglich – auf sie verzichten“, so ein Amazon-Sprecher gegenüber dem packaging journal. „Unsere Kundinnen und Kunden wünschen sich außerdem Verpackungen in der richtigen Größe, die leicht wiederverwertbar sind und Abfall reduzieren. Daher haben wir seit 2015 das Verpackungsgewicht pro Sendung im Schnitt um 41 Prozent verringert und so mehr als zwei Millionen Tonnen Verpackungsmaterial eingespart. Wenn Verpackungen erforderlich sind, setzen wir auf leichtere und passgenaue Verpackungen, müssen aber gleichzeitig sicherstellen, dass die Produkte sicher ankommen.“

Beim Versand aus deutschen Logistikzentren verzichtet das Unternehmen ganz auf Umverpackungen aus Einwegplastik – sowohl bei Artikeln von Amazon als auch bei solchen von Drittanbietern, die den Versand über Amazon abwickeln. In Europa verwende man stattdessen Umschläge aus Karton, Versandkartons, Packpapier und Papiertüten, die allesamt zu 100 Prozent recycelbar sind. Auch Luftpolsterfolie aus Plastik wurde durch recycelbare Papiermaterialien ersetzt, um die Waren beim Versand zu schützen.

Mit maschinellem Lernen zur passenden Verpackung

Die optimale Verpackung zu finden, ist angesichts eines Sortiments von Hunderten Millionen Artikeln eine komplexe Aufgabe. Amazon bestimmt daher die optimale Verpackungsgröße auch mit Methoden des maschinellen Lernens. Dabei greift das Unternehmen zum einen auf textbasierte Daten zurück, die aus Feedbacks der Kundinnen und Kunden stammen. Zum anderen werden visuelle Daten genutzt, beispielsweise direkt in den Logistikzentren aufgenommene Artikelbilder zur Bestimmung der Produktmaße. So ermöglicht es die Kombination aus Deep Learning, natürlicher Sprachverarbeitung und Computer Vision, die richtige Verpackungsgröße für jeden Artikel zu finden.

Schließlich hat Amazon auch seinen Transportbereich unter die Lupe genommen, um die eigenen Pläne zur CO2-Neutralität bis 2040 erfüllen zu können. Mehr als 3.000 elektrische Lieferwagenfahrzeuge und Hunderte Lastenfahrräder, E-Scooter und Roller sind schon seit 2021 im Einsatz, um mehr als 100 Millionen Pakete an Amazon-Kundinnen und -Kunden in Europa zu liefern – allein an 40 Millionen in Deutschland.

Bis ihre Bestellungen in Mehrwegverpackungen geliefert werden, kann es aber noch dauern. Dabei wird die E-Commerce-Branche im Entwurf zur neuen EU-Verpackungsverordnung ausdrücklich angesprochen und soll nach den Plänen der EU-Kommission ab 2030 zehn Prozent, ab 2040 schon mindestens 50 Prozent aller Transportverpackungen als Mehrwegvarianten anbieten. Die Frage, wie Amazon darauf reagieren will und wann die ersten Mehrwegverpackungen zum Einsatz kommen könnten, blieb bislang unbeantwortet.

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