Alternative Verpackungslösungen: Win-win für Händler, Konsumenten und Umwelt

Zalando-Testkunden erhalten ihre Waren im RePack-Kunststoffbeutel. (Bild: Zalando)
Zalando-Testkunden erhalten ihre Waren im RePack-Kunststoffbeutel. (Bild: Zalando)

Konsumenten fordern von Händlern alternative, nachhaltige Verpackungslösungen – Händler wollen dem Rechnung tragen. Immer im Blick: die Wirtschaftlichkeit. Dabei gibt es durchaus bereits etliche, für Retailer praktikable Lösungen.

Einen kleinen Überblick über derzeitige Ansätze liefert Carsten Szameitat, Director der Internet World Expo, der Leitmesse für den digitalen Handel, auf der in diesem Jahr (10. und 11. März 2020) erstmals die Sonderfläche „Print & Packaging Avenue – How print is driving e-commerce“ zu finden ist.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind Themen, an denen auch der Onlinehändler Zalando nicht vorbeikommt: Das Unternehmen experimentiert im Rahmen eines Pilotprojekts seit Herbst 2019 mit alternativen Verpackungsmethoden. Seit September erhielten rund 10.000 zufällig ausgewählte Testpersonen in Finnland, Norwegen, Schweden sowie Dänemark ihre Ware von Zalando nicht mehr im Pappkarton, sondern in einer bunten Kunststofftasche des Dienstleisters RePack. Kunden müssen die Tasche wieder an Zalando zurücksenden, sobald sie ihre Bestellung erhalten haben – selbst wenn sie alle Artikel behalten wollen. Noch stehen die ersten Erkenntnisse aus dieser Pilotphase aus, aber eines wird schon jetzt deutlich: Die Diskussion und das Vermeiden von Verpackungsmüll werden auch für Onlinehändler eines der wichtigen Themen der kommenden Jahre.

Verpackungsweltmeister – ein unrühmlicher Titel

Und das ist auch dringend geboten, denn laut dem Statistischen Amt der EU wirft jeder Deutsche pro Jahr rund 220 Kilogramm Verpackung weg. Wir sind hier unrühmliche Europameister, obwohl die Bereitschaft zur Veränderung gegeben ist. Eine Befragung im Auftrag des Beratungshauses PWC ergab, dass der großen Mehrheit der deutschen Verbraucher die Nachhaltigkeit von Verpackungen wichtig ist und sie den Einsatz von recycelbarem Material begrüßen.

Ein vielversprechender Ansatz, um Verpackungen im Handel nachhaltiger zu gestalten, ist das Konzept der Kreislaufwirtschaft. Der Kern besteht darin, die eingesetzten Rohstoffe länger und häufiger zu nutzen. Die sogenannte Circular Economy ermöglicht es, den Lebenszyklus durch Wiederverwertung, Wiederverwendung, Demontage oder Wiederaufbereitung eines Produkts zu verlängern. Erfolgreiche Beispiele in verschiedenen Verpackungsbereichen gibt es bereits.

Als Versandhändler verkauft die memo AG ihr Sortiment, bestehend aus Bürobedarf und -möbeln, Werbeartikeln sowie Alltagsprodukten, über drei Onlineshops sowie Kataloge und Werbemedien. Dabei berücksichtigt memo die Kriterien der Nachhaltigkeit. Bereits im Jahr 1998 war das Unternehmen Pilotpartner bei der Einführung der „Postbox“, einem Mehrwegversandsystem der Deutschen Post. Als dieses System Ende 2008 eingestellt wurde, entwickelte man auf dieser Basis das Mehrwegversandsystem „memo Box“. Mittlerweile ist diese seit über zehn Jahren im Einsatz und setzt im Branchenvergleich ökologische Maßstäbe – etwa 25 Prozent der Paketsendungen werden damit versendet.

Alternative Optionen bei Verpackungen

Wie Kreislaufwirtschaft in einem Unternehmen in der Praxis funktioniert, beweist auch die Werner & Mertz-Gruppe. Das Mainzer Familienunternehmen in vierter Generation und Hersteller der Marke Frosch setzt sich gemeinsam mit seinen Partnern in der Recyclat-Initiative für einen echten Kreislauf des Verpackungsmülls ein, in dem auch Kunststoffverpackungen aus dem Gelben Sack eingebunden werden. Statt eines Downcyclings des Plastiks zu minderwertigen Materialien oder gar dessen Verbrennung können durch den Einsatz modernster Sortiertechnik hochwertige Rezyklate ohne den Einsatz von Rohöl hergestellt werden.

Ein weiteres Beispiel ist auch Tetra Pak, das auf Zuckerrohr bei der Herstellung biobasierter Verpackungen setzt. Tetra-Rex-Kartons für gekühlte Milchprodukte bestehen ausschließlich aus zuckerrohrbasiertem Kunststoff und Karton.

Noch in der experimentellen Phase sind Wasserflaschen, die in Zukunft aus biologisch abbaubarem Material sein könnten: So hat beispielsweise ein isländischer Produktdesign-Student eine Flasche entworfen, die – solange sie gefüllt ist – ihre Form behält. Danach beginnt der Abbauprozess. Das zugrunde liegende Material ist Agar, eine aus Algen gewonnene Substanz. Eine weitere Verpackungsoption, die gerade getestet wird, ist eine strapazierbare Folie aus Casein-Proteinen, die luftundurchlässiger und haltbarer als Plastik ist – und essbar. Sie könnte beispielsweise bei Pizzakartons oder Cornflakesverpackungen zum Einsatz kommen.

Back to the roots – Füllmaterial

Füllmaterial hat nur eine Aufgabe: Pakete füllen und Leerräume beseitigen. Nachwachsende Rohstoffe werden auch hier immer gefragter und zeigen Konsumenten, dass man als Händler die Themen Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit ernst nimmt. Das hier wohl verbreitetste Material ist Holzwolle. Sie ist nicht nur dekorativ, sondern umhüllt auch empfindliche Artikel bestens. Ein weiterer Vorteil: Sie ist leicht und 100 Prozent biologisch abbaubar. Aber auch nachhaltig hergestellte Verpackungs-Chips erfreuen sich zunehmender Akzeptanz. Aus Maisstärke hergestellt, sind sie eine umweltfreundliche Variante zu Verpackungs-Chips aus Polystyrol. Ganz natürlich geht es auch beim Start-up Landpack zu, das für den Kühlversand Stroh statt Styropor nutzt, denn Stroh hat ebenso gute isolierende Eigenschaften wie Styropor. Der Handel greift diese Optionen bereits auf, etwa Alnatura oder Feinkost Käfer.

Alles im Lot? Anregungen und Kritikpunkte

Die Verbraucher fordern es, Hersteller und Händler könnten es – ist damit also der Weg frei für künftig nachhaltigen Lösungen rund um das Thema Verpackung? Für memo ist die größte Herausforderung bei der Implementierung des Mehrwegversandsystems die organisatorische und technische Integration in die Unternehmensprozesse. Darüber hinaus entstehen Mehrkosten, zum Beispiel für die Retourenabwicklung, die nicht an die Kunden weitergegeben werden können. Auch die stetige Weiterentwicklung des Systems erzeugt Mehraufwand. So besteht die „memo Box“ seit Herbst 2016 aus Recyclingkunststoff aus Haushaltsabfällen. Durch diese Maßnahme konnten die Treibhausgasemissionen bei der Herstellung der Box um bis zu 30 Prozent verringert werden – gleichzeitig sind jedoch auch die Herstellungskosten für die Box gestiegen.

Mehr zum Thema Verpackung finden Besucher der Internet World Expo (10. und 11. März 2020 in München, www.internetworld-expo.de/sideevents/) auf der Print & Packaging Avenue. Hier werden auf einer eigenen Vortragsbühne „Print on Stage“ den Besuchern die wichtigsten Drucktrends vermittelt. Folgende Themen sind u. a. bisher geplant: „Verpackungslösungen für den Versandhandel“, „Big Data: Spezialkataloge in kleinen Auflagen“, „So nachhaltig sind Papierprodukte“ und „Warum selber machen? Lagerhaltung, Versandraum und Logistik durch Druckdienstleister“.

Autor: Carsten Szameitat, Director der Internet World Expo

www.internetworld-expo.de