Die ukrainische Verpackungsindustrie im Sturm der Gefühle

Bild von der Flagge der Ukraine, im Wind wehend, vor blauem Himmel
(Bild: shutterstock/rospoint)

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine währt bereits seit mehr als 60 Tagen, als wir mit Veronika Khalaydzhi sprechen. Sie ist Präsidentin von Club Packagers Ukraine und berichtet über die Auswirkungen des Krieges auf die Verpackungsindustrie im Land. Seit Beginn des Krieges sind Veronika und ihre Kollegen über die Ukraine, Polen und Deutschland verteilt und bemühen sich, die Verpackungsindustrie in der Ukraine bestmöglich zu unterstützen. Im Gespräch mit packaging journal berichtet sie über ihre Gefühle und wagt einen Blick in die Zukunft der Verpackungsbranche nach dem Krieg.

Veronika, wie geht es Ihnen im Moment, und wie ist Ihre aktuelle Situation?

Das Büro des Club Packagers of Ukraine, das sich derzeit in Poznań befindet, setzt seine Informationsarbeit fort. Wir helfen aktuell besonders ukrainischen Unternehmen und konnten die Zeitschrift „Packaging“ № 2 herausgegeben. Außerdem bereiten wir uns auf den gesamtukrainischen Wettbewerb für die beste Verpackung und das beste Etikett vor.

Wenn Sie zurück auf den Beginn des Krieges blicken: Was waren Ihre Gedanken und Gefühle?

Es ist sehr schwierig, das in Worte zu fassen. Wir konnten lange Zeit nicht zur Besinnung kommen. Ist das heute überhaupt noch möglich? Wir hatten schon länger das Gefühl, dass Russland seine militärischen Operationen ausweiten könnte, immerhin führt es seit 2014 Krieg. Aber zuallererst die Wehrlosen – Kinder, Frauen, alte Menschen – so dreist und grausam anzugreifen. Das passt nicht in unsere Köpfe. Wir waren alle schockiert.

Haben Sie einen Eindruck davon, wie die Unternehmen mit den Folgen des Krieges umgehen?

Wir stehen in Kontakt mit ukrainischen Verpackungsunternehmen. Am schlimmsten ist die Situation dort, wo der Feind war. Es gibt Unternehmen, die völlig zerstört sind und nicht wieder aufgebaut werden können. Es gibt einige, die teilweise zerstört sind, aber nicht mehr arbeiten. Diejenigen, die noch arbeiten, haben nicht genug Rohstoffe, Ersatzteile und Energie. Viele Arbeiter gingen zur Verteidigung der Ukraine, und Frauen mit Kindern verließen das Land.
Bild von einer Frau, die an einem Tisch steht.
Veronika und ihre Kollegen von Club Packagers Ukraine setzen sich weiter für Unternehmen der Verpackungsbranche in der Ukraine ein. (Bild: Club Packagers Ukraine)

Welche Veränderungen haben Sie seit dem Beginn des Krieges bis heute in der Verpackungsindustrie wahrgenommen?

Im Allgemeinen müssen wir uns gegenseitig respektieren. Wir müssen uns an die allgemeinen Normen der Freiheit, der Menschlichkeit und des Respekts vor der Meinung anderer Menschen halten. Die Regierungen müssen jede Möglichkeit eines Krieges ausschließen. Wir müssen den Planeten vor dem Klimawandel und vor Naturkatastrophen schützen, wir müssen den Hunger bekämpfen, nicht den Krieg. Um dies zu erreichen, muss jeder zu jeder Zeit aktiv an diesen Ereignissen beteiligt sein.

Wenn Sie an eine Zeit nach dem Krieg denken: Was können und müssen wir Ihrer Meinung nach aus der aktuellen Situation lernen?

Im Allgemeinen müssen wir uns gegenseitig respektieren. Wir müssen uns an die allgemeinen Normen der Freiheit, der Menschlichkeit und des Respekts vor der Meinung anderer Menschen halten. Die Regierungen müssen jede Möglichkeit eines Krieges ausschließen. Wir müssen den Planeten vor dem Klimawandel und vor Naturkatastrophen schützen, wir müssen den Hunger bekämpfen, nicht den Krieg. Um dies zu erreichen, muss jeder zu jeder Zeit aktiv an diesen Ereignissen beteiligt sein.

Wie sieht es mit den Auswirkungen des Krieges auf die Verpackungsindustrie aus? Gibt es Aspekte, die sich Ihrer Meinung nach ändern müssen?

Der Krieg hat nur verdeutlicht, woran die Verpacker arbeiten müssen. Die wichtigste Aufgabe ist nach wie vor, Produkte und Waren ohne Verlust oder Beschädigung für eine bestimmte Zeit zu lagern. Gleichzeitig soll dies wirtschaftlich, effizient, sicher, bequem und informativ für den Verbraucher geschehen, ohne die Umwelt zu schädigen.

Gibt es noch etwas, das Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Ja, das gibt es natürlich. Zunächst einmal möchten wir uns bei allen bedanken, die uns in dieser schwierigen Zeit helfen. Wir sind dankbar für die Unternehmen, die uns finanziell und moralisch unterstützen. Uns ist klar, dass der Feind nur gemeinsam besiegt werden kann. Und wir wissen, dass die Ukraine gewinnen wird. Und nach dem Krieg werden wir gemeinsam die Verpackungsindustrie auf der ganzen Welt aufbauen.

Weitere Meldungen zur Ukraine

Granaten auf dem Firmenhof

Der russische Einmarsch in der Ukraine hat unvorstellbares Leid verursacht und wird es auch weiterhin tun. Auch die ukrainische Verpackungsindustrie ist nicht verschont geblieben. Valeriia Grankina, Geschäftsführerin des in Charkiw ansässigen Verpackungsunternehmens Slavena, floh mit ihrer Familie nach Bayern. Für das packaging journal hat sie Ende März einen sehr persönlichen Bericht über den Status quo des Unternehmens und der ukrainischen Verpackungsindustrie insgesamt verfasst.

Weiterlesen »