Junges Institut, lange Tradition: Unter diesem Motto hat das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB seinen zehnten Geburtstag gefeiert und die aktuellen und künftigen Herausforderungen wie beispielsweise das „KI-Engineering“ ins Visier genommen. KI-Engineering, also der ingenieursmäßigen, planbare und methodische Einsatz von Verfahren der Künstlichen Intelligenz, ist das Zukunftsthema, dies wurde bei der Jubiläumsveranstaltung des Instituts am 6. März 2020 im Karlsruher ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) deutlich. Zwar finde KI-Engineering heute schon in vielen Zusammenhängen Verwendung, aber díe Verfahren glichen in der Regel einer 'Black Box', deren Funktionsweise man nicht genau verstehe und deren Ergebnisse kaum voraussagbar sei. Entstanden im Jahr 2010 durch die Fusion des Fraunhofer-Instituts für Informations- und Datenverarbeitung IITB in Karlsruhe mit dem Ettlinger Forschungsinstitut für Optronik und Mustererkennung (FOM) der Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaften (FGAN), ist das Fraunhofer IOSB heute ein wichtiger Forschungs- und Technologiepartner für Behörden und Unternehmen und maßgeblich an Entwicklungen in Bereichen wie Sensordatenmanagement, intelligente Videoauswertung, mobile Roboter oder Digitalisierung der Produktion / Industrie 4.0 beteiligt.
„Die Zusammenlegung der beiden traditionsreichen Institute IITB und FOM hat sich inzwischen klar als Erfolgsgeschichte erwiesen“, sagte Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Beyerer, Leiter des Fraunhofer IOSB, anlässlich des Jubiläums.
Starkes Wachstum als Erfolgsindikator
Ohne dass es das Institut darauf angelegt hätte, sei es stark gewachsen, von knapp 40 Millionen Euro Gesamtetat 2010 auf etwa 63 Millionen Euro 2019. „Wenn man zu relevanten Themen erfolgreich forscht, entwickelt und arbeitet und wenn man seine Kunden und Zuwendungsgeber rundum zufriedenstellt, dann ergibt sich daraus eben Wachstum“, so Beyerer weiter. Zur Fusion kam es im Zuge der 2009 vollzogenen Integration der FGAN in die Fraunhofer-Gesellschaft. Seine Gründung feierte das Fraunhofer IOSB am 17. März 2010 in der Messe Karlsruhe. Die Wurzeln der beiden 2010 fusionierten Institute lassen sich jeweils bis in die 1950er Jahre zurückverfolgen. Allerdings entstammten sie unterschiedlichen Traditionen: Während bei Fraunhofer schon immer Industrieaufträge ein zentrales Standbein waren, standen das FOM und seine Dachorganisation FGAN komplett im Dienst der Verteidigungsforschung und wurden vom Bundesverteidigungsministerium finanziert.Breites Kompetenzspektrum – Im Fokus: Digitalisierung und KI
Den Menschen durch intelligente Sensorsysteme entlasten: So lässt sich die Vision der Forschung am Fraunhofer IOSB umreißen. Dazu deckt das Institut ein breites, inhaltlich zusammenhängendes Kompetenzspektrum ab, das in dieser Zusammenstellung einzigartig ist. Es reicht von den physikalischen Grundlagen der Signalentstehung über optische Sensoren und die (Echtzeit-)Auswertung von Sensordaten bis hin zur Nutzung der enthaltenen Informationen für Menschen und für Maschinen. Interoperabilität durch offene Standards, IT-Sicherheit, Datenschutz und innovative Mensch-Maschine-Schnittstellen sind wichtige Aspekte. Ein zentrales, in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit am Fraunhofer IOSB vielfach zum Einsatz kommendes Werkzeug sind dabei Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI) und des maschinellen Lernens (ML). Das wurde auch im Rahmen der Festveranstaltung deutlich, bei der Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft über das Thema 'Digitalisierung: Was bleibt? Was wird?' diskutierten.„Jeder versucht heute, mehr oder weniger jedes Problem mit ML-Verfahren und KI zu lösen“, konstatierte Institutsleiter Jürgen Beyerer. „Die Ergebnisse sind allerdings oft unberechenbar.“
