Fünf Fragen an Ulrich Balbach (Leuze)

Ulrich Balbach, Leuze
(Bild: Leuze)

Ulrich Balbach ist studierter Ingenieur der Elektrotechnik. Seit 22 Jahren ist er einer von über 1.200 Sensor People weltweit und seit acht Jahren CEO bei Leuze. Er versteht sich und seine Kollegen als Wegbereiter für technologische Meilensteine in der industriellen Automation.

pj: Herr Balbach, wo liegen aktuell die verpackungsrelevanten Schwerpunkte bei Leuze?

Ulrich Balbach: Wir begleiten unsere Kunden in der Verpackungsindustrie als Wegbereiter in einer sich ständig wandelnden Industrie und machen sie dauerhaft erfolgreich. Jüngste Innovation in diesem Bereich ist unser dynamischer Referenzsensor DRT 25C, basierend auf einem völlig neuen Funktionsprinzip, der CAT-Technologie. Wir wollen IO-Link noch besser für die Verpackungstechnik nutzbar machen. So wurde jüngst eine neue Reflextastergeneration mit Teachfunktion und IO-Link-Kommunikation vorgestellt.

Zudem werden softwareseitig immer mehr fertige IO-Link-Funktionsbausteine und -Tools entwickelt, die es dem Anwender auf der Steuerungsseite einfach machen, Leuze-Sensoren in die Steuerung zu integrieren sowie die Tastweite am Sensor einzustellen und so einen automatischen Formatwechsel an einer Verpackungsmaschine vorzunehmen. Eine weitere Produktinnovation, speziell für Hersteller und Anwender von Etikettiermaschinen, wird in Kürze folgen.



pj: Welche besonderen Herausforderungen gab es im letzten Jahr?

Ulrich Balbach: Eine besondere Herausforderung stellte in den letzten Monaten die Gesundheitskrise rund um Corona dar. Hier hat Leuze von der Erfahrung ihrer asiatischen Töchter zu Jahresbeginn profitiert, die Situation sehr frühzeitig erkannt, proaktiv agiert und deren Konzept weltweit adaptiert. So wurde beispielsweise bereits Anfang März ein unternehmensweites Wechselschichtmodell eingeführt sowie mit maximaler Auslastung produziert, um ein Abreißen der Lieferketten zu vermeiden.

pj: Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Lage ein?

Ulrich Balbach: Corona wurde von vielen von Anfang an als Wirtschaftskrise dargestellt. Das ist aus unserer Sicht nicht ganz richtig. Bis auf die Automobilindustrie und der Bereich der Werkzeugmaschinen befindet sich das Industrieumfeld, in dem wir tätig sind, in keiner Wirtschaftskrise. In der Tat zieht die Gesundheitskrise mangels politischer Lösungen mittlerweile aber eine konjunkturelle Krise im industriellen Sektor nach sich.

pj: Und welche Auswirkungen erwarten Sie für Ihr Unternehmen?

Ulrich Balbach: Das Hauptproblem besteht aus unserer Sicht vor allem darin, dass unsere Maschinenbauer ihre Maschinen nicht ausliefern und vor Ort in Betrieb nehmen können. Dieses Problem haben wir alle, und das hinterlässt negative wirtschaftliche Spuren im gesamten industriellen Sektor. Das lässt sich nicht individuell lösen, sondern nur auf höchster politischer Ebene! Solange hierfür aber keine politische Lösung wie z. B. die „grüne Linie“ für Lkw-Transporte gefunden wird, kann auch kein Aufschwung stattfinden.

pj: Worin sehen Sie die wichtigsten Aufgaben und Trends der Verpackungsbranche?

Ulrich Balbach: Die Anforderungen an Sensoren und Maschinen in der Verpackungsindustrie werden aufgrund zunehmender Individualisierung der Produkte und deren Verpackungen immer komplexer. Für einen höheren Automatisierungsgrad, maximale Flexibilität und zuverlässigste Qualitätskontrolle entwickeln wir immer intelligentere Sensoren, die mit der Maschine über eine standardisierte Industriekommunikation wie IO-Link interagieren können.

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