GVM: Mehr Treibhausgase durch weniger Kunststoffverpackungen

Eine aktuelle GVM-Studie offenbart einen Zielkonflikt bei EU-Verpackungsverordnung: Die Reduzierung von Kunststoffverpackungen würde demnach die Emission von Treibhausgasen erhöhen.

Eine neue GVM-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Ersatz von Kunststoffverpackungen negative Auswirkungen auf Verpackungsmüll und Treibhausgasemissionen hätte. Eine Substitution von 10 Prozent der Kunststoffverpackungen durch alternative Verpackungsmaterialien würde demnach 10 bis 14 Prozent mehr Treibhausgasemissionen verursachen.

Eine neue Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) im Auftrag der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen kommt zu dem Ergebnis: Kunststoffverpackungen sind im Vergleich mit anderen Verpackungsmaterialien besonders ressourceneffizient. Mit nur 24 Gramm Verpackungskunststoff wird im Durchschnitt ein Kilogramm Produkt sicher verpackt. Ohne Kunststoff liegt die durchschnittliche Materialeffizienz von Verpackungen bei 116 Gramm pro Kilogramm verpacktem Produkt – das ist fast fünfmal mehr Material.

Dementsprechend gehen die Verpackungsmarkt-Experten der GVM davon aus, dass der Ersatz von Kunststoffverpackungen zu einem deutlichen Anstieg des Verpackungsabfalls führen würde. Bereits der Ersatz von einem Zehntel der Kunststoffverpackungen durch andere Verpackungsmaterialien würde das Verpackungsabfallaufkommen in den Haushalten um 10 bis 20 Prozent steigen.

Mehr Material, mehr CO2-Emissionen

Doch nicht nur beim Aspekt der Abfallmengen, sondern auch beim Thema Klimaschutz liefert die Studie Erkenntnisse: Die mit dem Verpackungsverbrauch verbundenen Treibhausgasemissionen würden zwischen 10 und 14 Prozent steigen, wenn 10 Prozent der Kunststoffverpackungen durch andere Verpackungsmaterialien ersetzt würden. Denn mehr Material bedeutet auch mehr Energieaufwand für die Herstellung, den Transport und das Recycling der Verpackungen. Hochgerechnet auf den Verpackungsverbrauch privater Haushalte in Deutschland entspricht dies zwischen 1 und 1,5 Millionen Tonnen zusätzlicher Treibhausgasemissionen.

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Zur Ermittlung des Klima-Effekts wurde zunächst ermittelt, wie viele Treibhausgasemissionen durch den Verpackungsverbrauchs privater Haushalte in Deutschland verursacht wurden – knapp 11 Millionen Tonnen CO2-Equivalente waren dies im Jahr 2021. Ausgehend davon wurde berechnet, wie sich der Austausch von 10 Prozent aller Kunststoffverpackungen durch andere Materialien auf die Klimabilanz auswirkt. Zur Beantwortung dieser Frage wurden von den Verpackungsmarktexperten der GVM drei Szenarien entworfen, die sich bezüglich der Anteile der Ersatzmaterialien Papier/Pappe/Karton, Glas, Eisenmetalle und Aluminium unterschieden. Alle Szenarien führten zu gestiegenen Materialverbräuchen und Treibhausgasemissionen.

(Grafik: GVM)

Substitution von Kunststoffverpackungen führt zu Zielkonflikten

Die neuen Studienergebnisse identifizieren somit einen Zielkonflikt der EU: Sie möchte in der geplanten Verpackungsverordnung die Menge an Kunststoffverpackungen verringern, was jedoch dem Vorhaben im Green Deal widerspricht, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Bis 2050 soll die EU der erste klimaneutrale Kontinent sein.

„Die Versuchung ist groß, mit Plastikvermeidung Symbolpolitik zu betreiben. Doch die Politik muss sich ehrlich machen. Ob weniger Verpackungsmüll oder Treibhausgase – die Studie zeigt, dass sich die zentralen Umweltherausforderungen im Verpackungsmarkt nur durch materialneutrale und wissenschaftlich begründete Regelungen erreichen lassen“.

Dr. Isabell Schmidt, IK-Geschäftsführerin

Quelle: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen

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