­čÄž Podcast: EKO-PUNKT – Wir brauchen die einheitliche Kennzeichnung f├╝r recycelbare Verpackungen!

Foto von Stefan Munz: fuenf6 ÔÇô Lena Kirchner
Wie sollen recycelbare Verpackungen gekennzeichnet werden? Auch darum geht es in der Diskussion um die EU Verpackungsverordnung, deren finaler Entwurf jetzt vorgelegt wurde. Im aktuellen Podcast von packaging journal und interpack sprechen wir mit Stefan Munz, Leiter Innovation und Nachhaltigkeit bei EKO-PUNKT. Lesen Sie hier Ausschnitte aus dem Gespr├Ąch.

packaging journal: Der finale Entwurf zur europ├Ąischen Verpackungsverordnung PPWR ist da. Er sieht unter anderem Recyclingquoten vor, die bis 2030 bzw. 2040 erreicht werden sollen. Halten Sie diese Ziele f├╝r realistisch?

Stefan Munz: Die Quoten sind herausfordernd. Wir wissen ja aus aktuellen Studien, dass sich, um die Quoten des PPWR erf├╝llen zu k├Ânnen, der Rezyklateinsatz vervierfachen muss. Diese Mengen muss man erst einmal auch produzieren. Und da tut sich die Recyclingwirtschaft im Moment relativ schwer, denn die Konkurrenz der Vormaterialien ist gro├č, die Marktpreise sind niedrig und derzeit sind Rezyklate nur ganz schwer absetzbar. Das hei├čt, alle, die Rezyklate produzieren, haben im Moment tats├Ąchlich ein Thema, und f├╝r die muss diese PPWR und in Deutschland insbesondere ┬ž21 des Verpackungsgesetz deutlich fr├╝her kommen.

Sie hoffen also auf eine deutsche Regelung, wie sie ja auch im Koalitionsvertrag angek├╝ndigt wurde?

Genau darauf hoffen wir. Die Eintrittswahrscheinlichkeit w├╝rde ich jetzt mal auch als relativ hoch einsch├Ątzen. Es steht im Koalitionsvertrag und wir gehen davon aus, dass das in dieser Legislaturperiode noch zu schaffen ist. Deutschland war ja ohnehin Vorreiter und wenn wir uns beispielsweise die Quotenanforderungen in der PPWR ansehen, dann haben wir in Deutschland ├╝berhaupt kein Thema, was die Recyclingquoten oder die n├Âtige Recycling-Infrastruktur betrifft. Es gibt f├╝r uns in Deutschland also eigentlich ├╝berhaupt keinen Anlass jetzt zu warten. Dieser ┬ž21 fordert von den dualen Systemen, Anreize zu schaffen zum Einsatz gut regelbarer Verpackungen und man k├Ânnte ihn sehr kurzfristig novellieren. Das w├╝rde dem Thema noch mal einen Schub verleihen.

Stefan Munz von EKO-PUNKT (Foto: fuenf6 ÔÇô Lena Kirchner)

Mit einem gesetzlich verankerten Fondsmodell belohnen wir ressourcenschonendes und recyclingfreundliches Verpackungsdesign sowie den Rezyklateinsatz. Wir f├╝hren ein Recycling-Label ein.

Stefan Munz: Das sind genau die zwei Punkte, die wir uns tats├Ąchlich w├╝nschen

Genau genommen gab es ja schon einmal so ein Label. Vor 30 Jahren kam der Gr├╝ne Punkt, den viele Verbraucher noch heute als eine Art offizielles Label wahrnehmen, obwohl es die Pflicht zur Kennzeichnung ja schon sehr, sehr lange nicht mehr gibt. Der Gr├╝ne Punkt hat sich in das Ged├Ąchtnis eingebrannt. Er galt jahrelang als ein Entsorgungssymbol und steht auch f├╝r viele Verbraucher heute noch f├╝r eine gut recycelbare Verpackung. Tats├Ąchlich aber war und ist der gr├╝ne Punkt nichts anderes als ein Markenzeichen des damaligen Monopols und das f├╝hrt nat├╝rlich zu Unsicherheiten.

Wie zeigt sich das in der Praxis?

Wir hatten zuletzt einen B├╝rger aus Schwerin, der hat uns auch gleich Fotos mitgeschickt von seiner Hausverwaltung, die darauf besteht, dass in die gelbe Tonne nur Verpackungen mit dem gr├╝nen Punkt geworfen werden. Auch in der Abfalllbrosch├╝re dieses kommunalen Betriebs wurde darauf verwiesen, dass in die gelbe Tonne nur Verpackungen mit dem Gr├╝nen Punkt geh├Âren. Das f├╝hrt dann eben dazu, dass Verpackungen verbrannt werden und dem System endg├╝ltig entzogen werden. Viele Menschen suchen also noch nach dem Gr├╝nem Punkt, dabei gibt es ihn nur noch selten und er hat nichts auszusagen.

Umso wichtiger ist die Aufkl├Ąrung ├╝ber die richtige M├╝lltrennung. Wird da aus Ihrer Sicht genug getan?

Wir stellen fest, dass das Wissen ├╝ber die richtige M├╝lltrennung, gerade bei der j├╝ngeren Generation verloren gegangen ist. Die Kampagne ÔÇ×M├╝lltrennung wirktÔÇť leistet wirklich sehr gute Aufkl├Ąrungsarbeit, wenngleich das Budget┬á noch viel zu niedrig ist.┬á Hier w├╝rde ich mir w├╝nschen, dass dieses Budget massiv erh├Âht wird.

Circular Resources wird Green Dot
(Bild: Shutterstock/nepool)

Lassen Sie uns noch einmal auf den Markt der Systeme gucken. Wie ist der in Deutschland ├╝berhaupt aufgeteilt?

Wir haben derzeit zehn duale Systeme im Markt. Ihnen stehen ├╝ber 900.000 Unternehmen gegen├╝ber, die Verpackungen in Verkehr bringen. Darunter gibt es dann ganz gro├če Unternehmen, also auch Handelsunternehmen mit ihren Eigenmarken. Es gibt aber auch den Imker, der jedes Jahr nur ein paar Gl├Ąser Honig in Verkehr bringt.

Bei den Lizenz-Entgelten gibt es immer noch die Auffassung, es handele sich um eine Art Geb├╝hr, die nicht verhandelbar ist, als h├Ątte sie irgendein Amt verh├Ąngt, oder wie nehmen Sie das wahr?

Genau. Allein schon der Begriff Geb├╝hr f├╝hrt in die Irre, denn es sind keine Geb├╝hren, sondern das sind Preise, die frei im Markt verhandelt werden k├Ânnen, und da ist tats├Ąchlich auch Spielraum. Also, jeder, der seine Preise lange nicht nachverhandelt hat, sollte das in jedem Fall tun. Die Preise ├Ąndern sich j├Ąhrlich, und die Unternehmen sind gut beraten, ihre Vertr├Ąge auch j├Ąhrlich auf den Pr├╝fstand zu stellen.

Wer also Kosten vergleicht, kann deutliche Einsparungen erzielen?

So ist das! Insbesondere die Unternehmen, die tats├Ąchlich noch Altvertr├Ąge haben, werden sich wundern, was da m├Âglich ist. Die Preise sind aktuell zwar etwas gestiegen, aber im langj├Ąhrigen Vergleich sind sie doch deutlich gefallen.

Wenn es keine Geb├╝hr ist, ist es also auch kein Bescheid, der in der Rechtsabteilung, sondern eher in der Einkaufsabteilung landen sollte?

Richtig. Es sind Beteiligungsentgelte und die geh├Âren in den Einkauf, um Konditionen zu verhandeln. Mit einer Geb├╝hr hat das nichts zu tun!

Das bedeutet also, wer einen Vertrag mit dem dualen Partner hat und den seit Jahren schon nicht mehr gepr├╝ft hat, sollte das jetzt tun?

Der sollte das dringend pr├╝fen, weil es Spielr├Ąume gibt. Hier kann man sehr einfach Kosten sparen.

Herr Munz, ich danke Ihnen f├╝r das Gespr├Ąch!

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