Steigende Herausforderungen in der deutschen Kunststoff- und Recyclingindustrie erfordern ein schnelles Umdenken. Ein branchenübergreifendes Bündnis aus der Chemie-, Kunststoff- und Recyclingindustrie hat sich mit einem offenen Brief an die Bundesregierung gewandt und fordert einen entschlossenen „Transformationsbooster“ für die Kreislaufwirtschaft. Diese Initiative zielt darauf ab, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren und den Standort Deutschland zu sichern.
Die wirtschaftliche Lage der deutschen Kunststoff- und Recyclingindustrie hat sich seit 2021 dramatisch verschlechtert. Absatz und Auftragseingang sind um mehr als 20 Prozent eingebrochen, was zahlreiche Unternehmen dazu zwingt, die Produktion zu drosseln oder ihre Anlagen zu schließen. Investitionen werden verschoben oder ins Ausland verlagert. Trotz dieser Herausforderungen sieht das Bündnis die Lösung nicht im Rückzug, sondern in einer beschleunigten Transformation hin zu einer klimaneutralen, zirkulären Industrie. Die Kreislaufwirtschaft wird als Schlüssel zur Sicherung von Wertschöpfung, Resilienz und Innovationen betrachtet.
Politische Rahmenbedingungen als Schlüssel
Die Allianz betont die Notwendigkeit klarer politischer Weichenstellungen und verlässlicher regulatorischer Rahmenbedingungen. Teile des 100 Milliarden Euro umfassenden Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität sollten gezielt in die Kreislaufwirtschafts- und Forschungsinfrastruktur fließen. Dies würde die Skalierung von Technologien und den zirkulären Business Case ermöglichen. Zudem wird die Ausweitung des Industriestrompreises auf Recycler gefordert, um die Industrie zu stärken.
Konkrete Maßnahmen für den „Transformationsbooster“
Der offene Brief der Industrie-Allianz schlägt konkrete Maßnahmen vor, um die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Dazu gehören:
- Verbindliche Rezyklateinsatzquoten und finanzielle Anreize für kreislauffähige Verpackungen.
- Investitionen in moderne, KI-basierte Sammel-, Sortier- und Recyclingtechnologien.
- Einführung erweiterter Abschreibungsmodelle für Investitionen.
- Weiterführung von CO2-Differenzverträgen zur Förderung von Zukunftstechnologien.
- Eine Plattform zur Vernetzung aller Akteure im Rahmen der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie.
Ein Appell an die Politik
Die Organisationen betonen, dass Deutschland die Kreislaufwirtschaft dringend benötigt. Ohne entschlossene politische Signale droht eine Erosion industrieller Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Die Branchen tragen maßgeblich zur Lösung der enormen Herausforderungen bei, vor denen die deutsche Wirtschaft steht. Jetzt sei der Moment, kraftvolle Impulse zu setzen, um Investitionen in die klimaneutrale Kreislaufwirtschaft auszulösen und den Transformationsprozess zu beschleunigen. Der Appell erfolgt im Vorfeld der für den 6. Mai 2026 angekündigten Veröffentlichung eines Aktionsprogramms zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie.
Die Forderungen der Industrie-Allianz unterstreichen die Dringlichkeit, mit der die Transformation der Kreislaufwirtschaft angegangen werden muss. Die vorgeschlagenen Maßnahmen könnten entscheidend dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu sichern und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Quelle: BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft






