Women in Packaging: Nachhaltige Verpackungen mitgestalten

Als Verpackungsentwicklerin gestaltet Julia Knobloch seit zwei Jahren bei Werner & Mertz die Entwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen maßgeblich mit.
Verpackungsentwicklerin Julia Knobloch gestaltet die Entwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen maßgeblich mit. (Bild: Werner & Mertz)

Werner & Mertz ist bekannt als der Pionier in Sachen Kreislaufwirtschaft. Das Mainzer Unternehmen setzt seit Jahren Nachhaltigkeit in allen Bereichen konsequent um – von der Rezeptur seiner Produkte über die Verpackung bis zur Herstellung. Als Verpackungsentwicklerin gestaltet Julia Knobloch seit zwei Jahren die Entwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen maßgeblich mit.

Mit Marken wie Frosch, Emsal und Green Care Professional ist Werner & Mertz seit über 150 Jahren auf dem europäischen Markt etabliert. Für seine ganzheitlich-nachhaltige Ausrichtung wurde das Unternehmen vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Die Unternehmensphilosophie hat auch Julia Knobloch fasziniert: „Das Thema Nachhaltigkeit hat mich schon immer interessiert und Werner & Mertz steht ja wie kaum ein anderes Unternehmen dafür.“ Seit zwei Jahren arbeitet die Verpackungsentwicklerin als Deputy Head of Packaging Development für den innovativen Mainzer Hersteller von Reinigungs- und Pflegemitteln.

Großes Entwicklungsteam

Ein Job in der Verpackungsbranche war ursprünglich nicht ihr Berufsziel. Erst im Rahmen ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Digital Media an der Technischen Hochschule Ulm kam Julia Knobloch mit dem Thema Verpackung in Berührung und entdeckte ihre berufliche Leidenschaft im anschließenden Masterstudium an der Hochschule der Medien in Stuttgart. „Dort habe ich gemerkt, dass die Verpackungsentwicklung das ist, was ich machen möchte.“ Während der Masterarbeit vertiefte sie ihr Wissen im Bereich Faserstoffe, Karton und Wellpappe.

Nach dem Master sammelte Julia Knobloch berufliche Erfahrungen in der Verpackungsentwicklung bei einem Automobilzulieferer sowie einem OTC-Hersteller. „Dort war ich das erste Mal für den Bereich Verpackung verantwortlich und habe gesehen, welchen Einfluss die Verpackungen im Regal auf die Kaufentscheidung der Verbraucher haben.“

Bei Werner & Mertz arbeitet Julia Knobloch jetzt in einem neunköpfigen Team. „Das große Team zeigt auch, wie wichtig das Thema Verpackung für unser Unternehmen ist und wie ernst nachhaltige Verpackungen genommen werden.“ Die Aufgaben sind vielseitig und umfassen alle Packmittel. Im Fokus stehen aber Kunststoffe und deren Einbindung in funktionierende Stoffkreisläufe. „Wir arbeiten daran, unsere Verpackungen hinsichtlich der Recyclingfähigkeit immer weiter zu optimieren und immer mehr Rezyklat aus dem Gelben Sack einzusetzen.“

Vom Recycling zur echten Kreislaufführung

Ein herausragendes Beispiel für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft sind die Kunststoffflaschen des Unternehmens. „Bei den Flaschen sind wir schon sehr weit und können 100 Prozent Rezyklat aus dem Gelben Sack bzw. der Gelben Tonne einsetzen.“ 2025 erreichte das Unternehmen einen Meilenstein: Insgesamt eine Milliarde Flaschen aus 100 Prozent Post-Consumer-Rezyklat wurden bereits in den Markt gebracht. Die enge Zusammenarbeit mit Partnern wie Alpla, die Flaschen direkt am Mainzer Produktionsstandort herstellen, ermöglicht zudem effiziente Prozesse und reduziert Transportemissionen.

Meilenstein: Bis 2025 wurden insgesamt eine Milliarde Flaschen aus 100 Prozent Post-Consumer-Rezyklat in den Markt gebracht. (Bild: Werner & Mertz)

Nachhaltigkeit steckt im Detail

Während Flaschenkörper bereits weitgehend optimiert sind, liegen große Herausforderungen oft in den Details – etwa bei Verschlüssen. „Eine aufwendige Entwicklung war der Trigger, den wir 2022 gemeinsam mit Berry Global entwickelt haben.“ Die Sprühpumpe vereint gleich mehrere Nachhaltigkeitsaspekte: Sie ist rund 18 Prozent leichter als vergleichbare Systeme, besteht nahezu vollständig aus Polypropylen, was das Recycling erleichtert, und weist erstmals einen hohen Rezyklatanteil in den funktionalen, innen liegenden Bauteilen des Pumpmechanismus auf – eine technische Innovation. „Bei unseren Verschlüssen geht es aber auch um Materialeinsparung, denn wir setzen nur so wenig Material wie nötig ein.“ Das Ergebnis zeigt, dass auch komplexe Verpackungskomponenten kreislauffähig gestaltet werden können.

Ein besonders anspruchsvolles Feld sind flexible Verpackungen wie Standbodenbeutel. Julia Knobloch: „Unsere Beutel waren bereits vollständig recycelbar, aber im letzten Jahr haben wir erstmals Rezyklat eingesetzt, was technisch auch in flexiblen Verpackungen möglich ist. Allerdings sind wir damit derzeit noch das einzige Unternehmen in unserer Branche.“ Der vollständig recyclingfähige Monomaterialbeutel wurde 2018 gemeinsam mit dem Kooperationspartner Mondi entwickelt und enthält aktuell rund 27 Prozent Post-Consumer-Rezyklat.

Herausforderung Rezyklatlücke

Den Einsatz von recyceltem Kunststoffmaterial will das Unternehmen weiter steigern, allerdings könnte die sogenannte „Rezyklatlücke“ auch für Werner & Mertz eine Herausforderung werden. Julia Knobloch sieht hier nicht nur ein Angebots-, sondern auch ein Nachfrageproblem: „Die Branche muss die Nachfrage ankurbeln, damit ausreichend Rezyklat hergestellt wird.“ Häufig werde argumentiert, Rezyklate seien schwer zu verarbeiten. Tatsächlich spiele jedoch oft allein der Preis die entscheidende Rolle. Die Lösung liegt aus Sicht der Verpackungsentwicklerin in einem gemeinsamen Engagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette. „Alle zusammen müssen dafür sorgen, dass es Rezyklat in ausreichender Menge und zu bezahlbaren Preisen gibt.“

Die Sprühpumpe hat Werner & Mertz gemeinsam mit Berry Global entwickelt. (Bild: Werner & Mertz)

Einen wichtigen Aspekt sieht die Verpackungsentwicklerin in der sachlichen Bewertung von Materialien. „Verpackungen, vor allem solche aus Kunststoff, haben ja oft keinen guten Ruf. Sie werden als schlecht angesehen und – schlimmer noch – als überflüssig. Aber ohne Verpackungen geht es nun einmal nicht. Daher braucht es Unternehmen wie Werner & Mertz, die sich Gedanken machen, wie man Kunststoffe im Kreislauf halten kann, und dies auch umsetzen. Denn Kunststoffe sind gute Werkstoffe, die wir richtig nutzen sollten. Hier hat jeder von uns eine Verantwortung.“

Für die Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) ist Werner & Mertz gut gerüstet. „Die PPWR wird aber hoffentlich dafür sorgen, dass in vielen Unternehmen in Sachen Recycling mehr passiert. Momentan gibt es rund um das Gesetz noch viele offene Fragen. Wir tauschen uns daher in Verbänden und Arbeitskreisen intensiv aus, um gemeinsam Antworten zu finden.“

http://www.werner-mertz.de