Zu Besuch bei Metsä Board in Finnland

Die Kartonmaschinen sind zehn Meter breit und 200 Meter lang.
Die Kartonmaschinen sind zehn Meter breit und 200 Meter lang.

Vor Ort konnten sich Ende des vergangenen Jahres interessierte Fachleute im winterlichen Finnland sowohl in der Metsä-Board-Zentrale in Helsinki als auch in Kyröskoski nahe Tampere, wo 2012 das Biopower-Unternehmen Metsä Board Kyro die Produktion aufnahm, von den ehrgeizigen Zielen des Unternehmens überzeugen.

Ari Kiviranta, Manager of Production and Technology derMetsä Group in Helsinki, erläuterte neben den wichtigsten Eckdaten der Unternehmensgruppe vor allem das große Engagement aller Beschäftigten, zur Erfüllung der außerordentlich hoch gesteckten Ziele und Zukunftsstrategien beizutragen. So führte er aus, dass die Gruppe 2014 einen Gesamtumsatz von insgesamt 5 Mrd. Euro erzielte, mehr als 10.000Mitarbeiter beschäftigt und in nahezu 30 Ländern vertreten ist.

Ari Kiviranta

Ari Kiviranta

Der Mutterkonzern Metsäliitto Cooperative, der etwa 22.000 finnischen Forstbesitzern gehört, tritt mit allen seinen Unternehmen, die die komplette Wertschöpfungskette repräsentieren, für umfassende Nachhaltigkeit und ethische Praktiken ein. Dieses Leitmotiv ließ sich auch im weiteren Verlauf des Besuchs verfolgen, beginnend bei der Bewirtschaftung der Wälder über die Verarbeitungsprozesse bis zu den Produkten, die den Ansprüchen an höchste Qualität, geringen Materialeinsatz und gute Recycelbarkeit standhalten sowie allen nationalen und internationalen Vorschriften entsprechen müssen.

Sortiment auf weltweite Megatrends ausgerichtet

Globale Trends wie die Erhaltung natürlicher Ressourcen, die Reduzierung von CO2-Emissionen und die Verringerung des Carbon Footprint erfordern bei der Herstellung von Verpackungen den sparsamen Umgang mit Rohstoffen. Andere Einflüsse, beispielsweise die steigende Anzahl von Ein-Personen-Haushalten, die Zunahme des Onlineshoppings und des Verzehrs von Speisen unterwegs, erhöhen den Gesamtaufwand an Verpackungen und erfordern neue Lösungen. Hinzu kommen hohe Ansprüche an die Reinheit von medizinischen und Lebensmittelverpackungen und ein gestiegener Stellenwert des Marketings. Kleinere, individualisierte Auflagen sowie kurze Umstellzeiten müssen berücksichtigt werden.

Beispiele aus dem Verpackungssortiment.

Beispiele aus dem Verpackungssortiment.

Die Metsä Group reagierte ab 2006 mit einem Totalumbau seiner Unternehmen auf diese Trends. Von 2007 bis 2013 erfolgten zahlreiche Umstrukturierungen und die Konzentration auf die Herstellung von weißem Frischfaser- und Faltschachtelkarton, so dass der Konzern 2015 die Führung für dieses Sortiment in Europa übernehmen konnte. Die Zugehörigkeit der gesamten Wertschöpfungskette zur Unternehmensgruppe ermöglicht es, von der Pflege der nachwachsenden Rohstoffe und der Holzauswahl durch die Forstdienste über ein ausgereiftes, in allen Werken einheitliches Know-how der Produktion, verbunden mit Kundenorientierung und Innovation, qualitativ hochwertige Produkte anzubieten.

Schwerpunkte des Portfolios sind neben Holzerzeugnissen Zellstoff, Frischfaserkarton, Tapete, Tissue- und Kochpapiere sowie ein Karton- und Linersortiment, das für unterschiedliche Zwecke entwickelt wurde und hohe Festigkeit und Haltbarkeit, eine konstante Qualität im Hinblick auf Dicke, Feuchtigkeitsgehalt, Strichgewicht, Weiße, Flächengewicht, aber auch ausgezeichnete Druckeigenschaften bietet. Der Einsatz dieser Erzeugnisse bürgt für Sicherheit, denn bei ihrer Verwendung ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit möglich und kein zusätzliches Barrierematerial notwendig.

Vom Rohstoff Holz zum Karton

86 Prozent der Fläche Finnlands bestehen aus Wald. Bei einem Zwischenstopp auf der Fahrt zum Werk in Kyröskoski hatten die Besucher die Möglichkeit, sich davon zu überzeugen, dass die Erzeugnisse der Metsä-Gruppe eine nachhaltige Forstwirtschaft zur Grundlage haben. Das heißt erstens: Das Waldwachstum übersteigt die zur Verwendung entfernte Holzmenge, denn für jeden geernteten Baum werden vier Stecklinge gepflanzt. Zweitens ist der Ursprung des Holzes inzwischen zu 100 Prozent nachverfolgbar und stammt aus zertifizierten Quellen.

Metsä fördert die Forstzertifizierung und trägt damit zur Gewährleistung der Biodiversität bei. Die planmäßige, flächige Rodung wird mitmodernster Technik ausgeführt. Die unterschiedlichen Bestandteile eines Baums werden dabei effizient genutzt. Dicke Stämme gehen an Sägewerke, dünnere werden als Hackschnitzel für die Weiterverarbeitung zu Zellstoff verwendet und der Holzabfall wird zur Erzeugung von Bioenergie genutzt, wodurch es gelang, innerhalb von fünf Jahren den CO2-Ausstoß um 36 Prozent zu verringern. Insgesamt werden in Finnland gegenwärtig 85 Prozent der erneuerbaren Energie aus Holz gewonnen.

Turm der Biopower-Anlage (Werk Metsä Board Kyro).

Turm der Biopower-Anlage (Werk Metsä Board Kyro).

Nach dem Aufenthalt im Forst erreichte die Besuchergruppe das nach einer Investition von 50 Mio Euro seit 2012 produzierende Werk Metsä Board Kyro. Es wird wie die anderen Unternehmen der Gruppe in einem wasserreichen Gebiet betrieben. Das Wasser wird mehrere Male in den Prozessen wiederverwendet und so schonend behandelt, dass es in die natürlichen Gewässer zurückgeführt werden kann. Außerdem ist Kyro ein Musterbeispiel der Bioenergieerzeugung. Der Turm der Biopower-Anlage ist bereits von weitem sichtbar. Die Energieselbstversorgung der Metsä-Zellstoffwerke liegt bei 150 Prozent. Sie zählen zu den größten Erzeugern erneuerbarer Energie in Finnland. Neben dem Eigenverbrauch wird Bioenergie in Form von Fernwärme an örtliche Gemeinden und in Form von Elektrizität an das Netz geliefert.

„Durch die Anlage mit einer Kapazität von 60 MW Wärme und 12 MWStrom konnte der Carbon Footprint unserer Erzeugnisse um mehr als die Hälfte verringert werden und es ist vieleffektiver, die lokalen, nachwachsenden Ressourcen zu nutzen als fossiles Gas aus Russland,“ erklärt Timo Tuomisto, der Mill Manager von Kyro, beim Rundgang durch das Werk.

Mindestens ebenso beeindruckend wie die Biopower-Anlage sind die zehn Meter breiten und 200 Meter langen Kartonmaschinen. Auf ihnen werden aus 215.000 Tonnen Zellfaserstoff, die von anderen Partnern der Metsä-Gruppe zugeliefert werden, mit 240 Beschäftigten 190.000 Tonnen Faltschachtelkarton (Avanta Prima und Carta Elega) sowie 105.000TonnenweißerTopliner (CartaSelecta) und Tapete (Cresta) im Jahr hergestellt. In jedem Abschnitt wird ein wichtiger Arbeitsschritt zum Erreichen der Produkteigenschaften wie geringes Gewicht, Steifigkeit und Weißgrad ausgeführt.

Zukunftsvisionen

Ausgehend von den genannten Megatrends wird der Schwerpunkt der Unternehmensstrategie auf die Produktion von Faltschachteln und Liner aus Frischfasern gelegt, um den Kunden Konsumgüter-, Regalverpackungen und Takeaway-Produkte mit hoher Ressourceneffizienz und Produktsicherheit anbieten zu können, wie Ari Kiviranta am Anfang der Reise erläuterte. Diesem Ziel dient gegenwärtig der 170 Mio. Euro teure Umbau des schwedischen Standorts Husum.

Das Unternehmen installierte bereits eine neue Faltschachtelkartonmaschine BM1 mit einer Kapazität von 400.000 Tonnen im Jahr. Gleichzeitig wurden die Papiermaschinen PM6 und PM7 mit bisher rund 500.000 Tonnen Jahresproduktion stillgelegt. Auch die Papiermaschine PM8 wurde bereits umgestellt und wird jetzt unter der Bezeichnung BM2 zur Herstellung von weißem Frischfaserliner als Rollenware eingesetzt. Dieses Produkt soll allerdings 2017 auslaufen.

Ziele der Metsä-Gruppe
  • Zertifizierung des verwendeten Holzes zu über 80% (2014 – 84%)
  • Rückverfolgbarkeit des Rohmaterials 100% (2015 erreicht)
  • Verbesserung der Energieeffizienz von 2009 bis 2020 um 10% (2014 – 6%)
  • Verringerung der CO2-Emissionen von 2009 bis 2020 um 30% pro Tonne (2014 – 36%)
  • Reduzierung des Wasserverbrauchs pro Tonne um 17% (2014 – 11%)
  • Verringerung des Krankenstandes auf weniger als 3% (2014 – 4%)
  • Verringerung der Ausfallzeiten um 10% (2014 – bereits um 15% gesenkt)

Ab 2018 ist in Husum die Herstellung von 300.000 Tonnen Kraftliner und 750.000 Tonnen chemischen Zellstoff pro Jahr vorgesehen. Die Maßnahmen reichen aus, um in den nächsten Jahren weiterhin profitabel zu wachsen, und ermöglichen die Optimierung der Produktion an den finnischen Unternehmensstandorten. Die Gesamtverfügbarkeit hochwertiger Kartonagen soll bis 2018 von 1,4 auf über 2 Mio Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Weitere 38 Mio. Euro werden in Husum in eine Extrusionsbeschichtungsanlage investiert, die Anfang 2017 mit einer Jahreskapazität von etwa 100.000 Tonnen dazu dienen wird, einen Teil der Neuproduktion von Faltschachtelkarton für die Lebensmittelindustrie zu beschichten.

Die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet anderer Barrierebeschichtungen werden ebenfalls vorangetrieben. Im Rahmen der Veredlung von Metsä-Erzeugnissen stellt die Litho-Beschichtung einen weiteren Schwerpunkt dar. Sie kombiniert qualitativ hochwertige Grafiken mit der Option von Kleinauflagen, um damit einen maximalen Marketingerfolg des Markeninhabers mit optimaler Flexibilität beim Verpackungshersteller zu verbinden.